Es liegt was in der Luft

, ,

Ob es mit dem Frühling zu tun hat? Ich weiß es nicht. Seit ein paar Wochen treibt mich ein Thema um: die allgemeine Stimmung. Man könnte meinen, alles geht den Bach runter. Egal, ob es Kassengespräche im Supermarkt sind oder in der Kaffeepause in den Unternehmen.

Wie geht es dir damit? Mir fällt vor allem die schlechte Stimmung auf, die sich in heruntergezogenen Mundwinkeln und schlechter Laune äußert.

Emotionale Ansteckung: Mehr als nur Zufall!

Offenbar bin ich nicht allein mit dieser Beobachtung, im Gegenteil. Vielleicht ist es Zufall, wenn bestimmte Ereignisse so zeitlich aufeinandertreffen – oder es lag eben in der Luft!

Als erstes stieß ich auf ein Interview mit dem Psychologen Dr. Nico Rose, Experte für Positive Psychologie. Fast zeitgleich las ich im Newsletter von Ingrid Gerstbach ebenfalls über das Phänomen „ansteckender Stimmungen“. Abgesehen davon lese ich gerade das Buch ‚Vom Glück der richtigen Gedanken’ von der Neurowissenschaftlerin Karolien Notebaert. Höchste Zeit, sich intensiver damit zu befassen!

Stimmungen werden weitergegeben

Emotionen sind ansteckend. Das erleben wir tagtäglich und es ist wissenschaftlich belegt. Wenn jemand herzhaft lacht, lachen oder schmunzeln wir unwillkürlich mit. Wenn dich morgens der Kollege lächelnd begrüßt, lächelst du zurück. Wir passen unsere Emotionen instinktiv den der anderen an.

Leider erleben wir derzeit häufiger die negative Seite dieser emotionalen Ansteckung. So ging es im  Interview mit Dr. Nico Rose darum, wie eine Führungskraft ihr Team auch in schwierigen Zeiten motivieren kann. Stell dir dazu vor, dass es in der Teambesprechung um eine Krise im Unternehmen geht. Die Stimmung ist gedrückt, eine Lösung noch nicht in Sicht.

Beziehungsenergie durch menschlichen Kontakt. Rauf oder runter.

Diese emotionale Energie, so Rose, wandert wie eine Welle durch die Organisation. Ausgehend von der Führungskraft zu den Teamleitern und weiter bis zu deren Mitarbeitern, den Kunden und sogar bis in den privaten Bereich hinein. Die Wirkung kann bis zu fünf „Stationen“ nachklingen. Menschen passen sich emotional der Stimmung anderer an, meistens unbewusst und schleichend. Es liegt eben in der Luft!

Eine schlechte Nachricht wird über die ausgelöste Stimmung bis zu 5 Stationen weitergegeben

Eine schlechte Stimmung wird unbewusst weitergegeben

Das funktioniert erst recht online

Dieser Effekt funktioniert auch online. Über soziale Medien verbreiten sich Stimmungen wie ein Lauffeuer. Das Problem dabei: Negative Emotionen verengen im wahrsten Sinne unseren Blick und senken gleichzeitig unseren Energiepegel.

Unser Gehirn fokussiert sich automatisch auf das, was nicht gut läuft. Das ist ein evolutionärer Mechanismus, der uns eigentlich vor Gefahren schützen soll. Deshalb sehen wir die Welt oft pessimistischer, als sie tatsächlich ist. Und wenn dann noch reale Krisen hinzukommen, verstärkt sich dieser Effekt umso mehr.

Die Folge: in einer solchen Negativspirale können kaum neue Ideen oder Lösungen entstehen. Wir stecken in einer gedanklichen Blockade fest.

Wie du deine Stimmung selbst beeinflussen kannst

Um sich aus dieser Negativspirale zu befreien, empfiehlt die Positive Psychologie eine einfache, aber wirkungsvolle Frage: „What went well?“ Diese regelmäßige Reflexion über das, was gut läuft, hilft nachweislich dabei, neue Energie aufzubauen.

Frage dich ganz bewusst: Was läuft gerade gut in meinem Leben? Worauf freue ich mich? Oder reflektiere am Abend: Was ist mir heute trotz aller Herausforderungen gelungen?

Die Wirksamkeit von what-went-well ist wissenschaftlich gut belegt. Studien der University of Pennsylvania unter Leitung von Martin Seligman zeigen, dass diese im Prinzip einfache Übung nicht nur stimmungsaufhellend wirkt, sondern auch den Fokus auf die eigenen Stärken und Ressourcen lenkt.

Von daher ist das Bewusstsein über den eigenen emotionalen Zustand fast schon elementar. Mache dir klar, dass deine Stimmung immer auf andere übertragen wird. Sowohl in die positive als auch in die negative Richtung. Lächelt mich jemand an oder schaut mein Gegenüber mürrisch? Lächle ich am Telefon oder bin ich genervt? Was strahlst du gerade aus? Zuversicht oder Pessimismus?

Kleine Rituale mit großer Wirkung

Um die Stimmung aktiv zu verbessern, kannst du schon am Morgen überlegen, welche kleinen Rituale dich unterstützen, gut in den Tag zu starten.

Worauf freust du dich heute?

  • Könnte ein kurzer Spaziergang vor der Arbeit deine Stimmung heben?
  • Wie kannst du deine Mittagspause bewusst und energiespendend gestalten?
  • Wem kannst du heute eine kleine Freude bereiten – und damit auch dir selbst?
  • Schau doch ab und zu mal in den Spiegel, wie dein Gesichtsausdruck gerade ist.

Dr. Rose teilt aus seiner Erfahrung als Führungskraft einen besonders wirkungsvollen Tipp: Er bat seine Mitarbeiter freitags immer um ein positives Feedback. ‚Welche zwei oder drei Momente haben diese Woche deine Arbeit besonders wertvoll gemacht?‘ Mit diesen positiven Gedanken konnten sich die Mitarbeiter über das Wochenende deutlich besser erholen und gestärkt in die neue Woche starten.

Probiere es selbst aus: Frage dich am Ende des Tages nach deinen drei besten Momenten. Es reichen Kleinigkeiten – allein sie können schon eine positive Wirkung entfalten.

 Resilienz- um zuversichtlich in die Zukunft zu schauen

Wie wir körperlich, emotional und mental gestimmt sind, macht in herausfordernden Zeiten den Unterschied. Widerstandskraft und eine emotionale Flexibilität sind elementar, um gut durch diese Zeiten zu kommen. Mehr noch, mit ihr können wir Positives bewirken für uns selbst und unser Umfeld.

Wenn du dieses Thema vertiefen möchtest:

Ursprünglich war der diesjährige Resilienz-Kongress vom im März geplant, er ist nun vom 6. bis 12. Oktober geplant. In den letzten vier Jahren war ich jeweils dabei und kann es wirklich empfehlen. Das Thema in diesem Jahr lautet „Resilienz und Zukunft“. Die Teilnahme ist übrigens kostenfrei.

Nehmen wir unsere Stimmung selbst in die Hand. Sie liegt zwar in der Luft, aber wir entscheiden, wie wir damit umgehen.