Denkblockade: Wenn dir unter Druck plötzlich nichts mehr einfällt

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Vor kurzem habe ich in einem Restaurant gesessen und kein einziges Wort mehr herausbekommen. Aber der Reihe nach.

Ein entspannter Abend, im Frankreichurlaub, wir sind früh losgegangen, das Restaurant war noch fast leer. Mein Mann und ich sassen am Tisch – eine entspannte Atmosphäre. Die Bedienung ist gekommen und hat gefragt, ob wir die Karte lieber auf Französisch oder auf Englisch hätten. Mein Französisch ist – sagen wir es freundlich – noch sehr ausbaufähig, mein Englisch deutlich besser. Also habe ich Englisch gewählt. So weit, so gut.

Aber dann, bei der Bestellung, war nichts mehr da. Das Französisch im Ohr, Englisch auf dem Papier, und irgendwo zwischen diesen beiden Sprachen hat sich in meinem Gehirn ein Knoten gebildet. Gefühlte dreißig Sekunden lang sass ich da und mir fiel gar nichts mehr ein. Kennst du so etwas?

In meinem Kopf lief dabei die ganze Zeit nur der Gedanke: „Mist, ich kann es doch, warum jetzt nicht?“ Die Bedienung hat freundlich gelächelt und gewartet, so etwas erlebt sie bestimmt öfters.

Dann habe ich einmal tief durchgeatmet und wieder auf die Karte geschaut. Die lag ja auf Englisch vor mir. Und auf einmal ging es wieder.

Und was habe ich bestellt? Nichts, was in der Karte stand, sondern ein Überraschungsmenü!

Ich weiß es doch – warum ausgerechnet jetzt nicht? 

Ich arbeite seit über zwanzig Jahren als Trainerin zu Konzentration, Gedächtnis und Lernen. Trotzdem hat es mich an diesem Abend genauso erwischt wie jeden anderen auch. Das ist übrigens die Erfahrung, die ich in meinen Seminaren ebenfalls wieder erlebe: Eine Denkblockade fragt nicht danach, wie gut jemand im Thema unterwegs ist.

Das Verrückte an meinem Abend in Frankreich war, dass mir niemand Druck gemacht hat – höchstens ich selbst. Kein Termin, kein Teilnehmer, kein Vortrag vor einem großen Publikum. Nur mein eigener Anspruch, es gut hinzubekommen.

Was im Gehirn passiert, wenn der Druck steigt

Unter Druck verengt sich unser Blick. Das Gehirn sucht dann nach Sicherheit, für andere Möglichkeiten hat es in genau dem Augenblick keine Kapazität. Es schaltet in einen Schutzmodus – und in diesem Modus fällt niemandem etwas Cleveres ein.

Stattdessen stellt sich unser Gehirn in jeder Situation die Frage: Darf ich hier Fehler machen? Fühle ich mich angenommen? Muss ich mich schützen?

Nervenzellen ohne Kontakt zueinander

Fällt die Antwort ungünstig aus, verschiebt sich die ganze Aufmerksamkeit weg von der Aufgabe und hin zur eigenen Absicherung.

Das gilt in einem französischen Restaurant genauso wie in einem Meeting. Wie stark Stimmungen dabei zwischen Menschen weiter gegeben werden, habe ich an anderer Stelle beschrieben – nachzulesen in meinem Artikel über Emotionen, die ansteckend sind.

Positive Gefühle weiten den Blick (und das Denken) 

Umgekehrt funktioniert es genauso. Hoffnung, Neugier, Dankbarkeit und Verbundenheit – das klingt zwar nach Wohlfühlen, ist aber die Voraussetzung dafür, dass unser Gehirn gut arbeiten, kreativ sein kann und Probleme lösen kann. Wer sich sicher fühlt, denkt in mehr Richtungen und kann die Perspektive leichter ändern.

Für Teilnehmer in Meetings wäre die Beobachtung interessant, welche Ergebnisse oder Ideen unter welcher Atmosphäre stattfinden. Denn diese entscheidet mit darüber, ob jemand seine Idee ausspricht oder sie sicherheitshalber lieber für sich behält. Die Ideen sind da, werden aber zurückgehalten oder schlichtweg blockiert.

Was bei einer Denkblockade hilft

  • Ein Blackout bedeuet nicht, dass du etwas nicht kannst. Er zeigt, dass dein Gehirn gerade mit etwas anderem beschäftigt ist
  • Der schnellste Weg zurück führt über den Körper: ein- oder zweimal tief durchatmen und dann noch einmal ansetzen
  • Such dir einen Anker, der schon da ist. Bei mir war es die Karte auf dem Tisch
  • Erinnere dich an eine Situation, in der du unsicher warst und es trotzdem hinbekommen hast. Das bringt dein Gehirn wieder auf eine andere Spur
  • Nähe, Wertschätzung und ein freundliches Gesicht gegenüber senken den Stresspegel messbar. Humor ist in solchen und vielen anderen Situationen unschätzbar wertvoll. Den hatte die Bedienung übrigens auch!

Kleine Übungen für den Alltag, mit denen du deine eigene Anspannung herunterfahren kannst, findest du in meinem Beitrag zu praktischen Wegen der Selbstregulation.

Was tun, wenn die Ablenkung von außen kommt?

In Frankreich hat es dreißig Sekunden gedauert, bis der Knoten sich gelöst hatte. Wenn du dich am Schreibtisch in eine komplexe Aufgabe hineingedacht hast, brauchst du 5 bis 8 Minuten.  Ausgerechnet in diesen Minuten ist die Ablenkungsgefahr am größten. Wenn du dann richtig tief im Gedankenfluss bist und hier herausgerissen wirst, dauert es doppelt so lange, bis du wieder ganz drin bist.

Besonders unterschätzt wird dabei der Geräuschpegel – etwa im Großraumbüro. Ein aufpoppendes Fenster nimmst du im Augenwinkel wahr und schiebst es leichter gedanklich beiseite. Ein Telefonat zwei Schreibtische weiter kannst du nicht ausblenden, dein Gehirn hört mit, ob du willst oder nicht.

Darüber habe ich ausführlich mit dem Unternehmermagazin impulse gesprochen:

Konzentrationsprobleme: Das hilft bei Ablenkung.

Darin geht es unter anderem darum, wie du dein eigenes Konzentrationshoch findest und was du im Team klären solltest, damit alle konzentriert und produktiv arbeiten können.

Mit den Gedanken schon wieder ganz woanders? 

Der innere Druck und die äußere Ablenkung führen zum selben Ergebnis: Dein Kopf ist nicht da, wo du ihn brauchst. Genau darum geht es in meinem Seminar für Mitarbeitende und Teams. Wir arbeiten daran,

  • wie du Aufgaben so legst, dass sie zu deiner Leistungskurve passen,
  • wie du Störreize im Arbeitsalltag reduzierst, ohne dich komplett abzuschotten,
  • und wie dein Gedächtnis wieder mitspielt, statt dich im Stich zu lassen.

Im Anschluss begleite ich dich über mehrere Wochen auf meiner Lernplattform weiter, damit das Gelernte und die neuen Gewohnheiten nicht verpufft, sondern im Alltag ankommen.