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Was dich erwartet

Du weißt, was du ändern willst – und tust es trotzdem nicht? In diesem Artikel schauen wir uns an, warum das so ist und was wirklich hilft.

  • Hürde 1 – Im Alltag daran denken
  • Hürde 2 – Die Reaktion des Umfelds
  • Hürde 3 – Kein klarer Plan
  • Hürde 4 – Zu viel auf einmal

Denn oft werden die Hürden übersehen – das kann sich ab jetzt ändern!

Lesezeit ca. 8 Minuten – mit konkreten Fragen zur Reflexion

 


Wenn du etwas verändern möchtest, hast du dir bestimmt schon viele Gedanken dazu gemacht. Vielleicht hast du bereits im Internet recherchiert, an einem Onlinekurs teilgenommen oder sogar ein Buch dazu gelesen.

Kommt dir das  bekannt vor?

Dann bist du damit nicht allein – und es liegt nicht an dir, sondern daran, dass echte Veränderung mehr braucht als den Impuls.

Das Bewusstsein ist ja oft da: Gewohnheiten, die sich negativ auf die Arbeitsleistung auswirken oder die gesundheitsschädlich sind. Zu wenig Bewegung und eine ungesunde Ernährung – das sind die Klassiker. Bei der Arbeit kommen viele Unterbrechungen, Ablenkungen und Meetings dazu, die mal mehr oder weniger produktiv sind. Das führt zu Frust, Überforderung und reduziert deine Leistungsfähigkeit.

Viele meiner Seminarteilnehmer haben den Wunsch, hier etwas zu verändern: 

  • weniger Stress und Anspannung
  • mehr Zeit für sich
  • endlich mal ‚Nein‘ zu sagen, um sich abzugrenzen

Wenn du das oder etwas ganz anderes verändern möchtest, brauchst du Wissen über Veränderung, damit sie gelingen kann.

Wer sich für eine Veränderung entscheidet, bringt schon eine Menge Motivation mit – sonst würde er oder sie diesen Schritt gar nicht erst gehen.

Was nervt dich – und was willst du endlich ändern?

Als erstes lohnt sich ehrlicher Blick auf die eigene Situation. Mach doch mal eine Bestandsaufnahme – wohin soll es gehen?

  • Was wolltest du schon längst ändern – weil es dich viel Energie kostet?
  • Was an deinem Verhalten nervt dich – etwa wenn du Nein sagen wolltest und dich wieder beim Ja ertappst?
  • Was hast du schon alles versucht oder angefangen – und dann doch wieder aufgegeben? Was ist da passiert?
  • Welche Gewohnheit nervt dich am allermeisten?

Gewohnheiten zu verändern ist nicht einfach – aber möglich. Es ist ein Prozess!

Das heißt, es geht nicht von heute auf morgen. Die meisten Menschen starten motiviert und scheitern an Hürden. Vielleicht nicht an der ersten, aber oft an der zweiten oder dritten.

Abgesehen davon kommt es darauf an, wie lange du diese Gewohnheit schon hast.

Frage dich, ob sie dir einen Vorteil bringt oder ob sie bequem ist oder – das ist häufig der Fall – mit einem guten Gefühl verbunden ist.

Denn das Gehirn belohnt Bekanntes mit einer Dopaminausschüttung. Etwa bei neuen Reizen (das Scrollen durch SocialMedia) oder mit den leckeren Gummibärchen oder der Chipstüte auf dem Sofa. Es kann auch mit dem guten Gefühl verbunden sein, gebraucht zu werden – anstatt sich abzugrenzen.

Gewohnheiten sind wie eine breite Autobahn im Gehirn. Mit dem Vorsatz „ab morgen mache ich es anders“ wird es selten funktionieren. Denn auf der Autobahn bist du so schnell wieder im alten Muster unterwegs, dass du es erst im Nachhinein merkst.

Motivation allein reicht nicht – du brauchst eine Strategie

Was viele unterschätzen:

Du brauchst die Motivation, um überhaupt anzufangen. Danach hilft dir eine Strategie. Viele Menschen denken, es reicht, motiviert zu sein, um eine Veränderung zu bewirken. Das höre ich ganz oft in meinen Seminaren und im Coaching. Wenn die Motivation nachlässt, sind viele ratlos. Vor allem merken sie schnell, dass es allein mit der Motivation nicht getan ist – weil so viele Dinge im Alltag ganz automatisch und ohne bewusstes Nachdenken passieren.

Es ist wichtig, die Motivation aufrecht zu erhalten, keine Frage. Doch das reicht nicht.

Wie hoch ist der Verädnerungswille

Schauen wir zuerst auf die Notwendigkeit der Veränderung. Nimm dazu eine Skala von 0–10: Wie wichtig ist dir die Veränderung wirklich? Liegt der Wille zur Veränderung bei 3, ist die Motivation gering – es ist eher ein „Nice to have“. Liegt er bei 7 oder 8 oder noch höher, hast du eine sehr gute Startposition! Jetzt brauchst du nur noch zu wissen: Wie mache ich es am besten?

Oft wird Scheitern auf mangelnde Motivation geschoben. Ich glaube nicht, dass es nur daran hapert – denn diese ist ja oft da! Was nicht bedacht wird, sind die Hürden, die im Laufe eines Veränderungsprozesses immer wieder auftauchen. Wenn du dir vorher keine Gedanken darüber gemacht hast, was auf dem Weg alles passieren kann, ist es vollkommen verständlich, dass eine Veränderung nicht greift.

Es liegt nicht an dir – es liegt am Wissen über Veränderung!

Welche Hürden sind das konkret? Lass sie uns anschauen – eine nach der anderen.

Ich nutze dazu ein Beispiel aus meinem Seminar für fitte und wache Augen, wo es darum geht, Sehstress zu reduzieren und Augenpausen in den Alltag zu integrieren. Es sind Erfahrungen von Teilnehmern, die ich immer wieder gehört habe. Mit ein Grund, warum ich mich intensiv mit der Veränderungsumsetzung befasse. Ich bin mir sicher, dass du dich an der ein oder anderen Stelle in deinem Veränderungsverhalten wieder erkennen kannst!

Hürde 1: Im Alltag dran denken

Die erste und häufigste Hürde ist schlicht: Du vergisst, was du anders machen wolltest. Der Alltag läuft weiter, alte Muster greifen automatisch – und das neue Verhalten kommt einem erst gar nicht in den Sinn.

Als Beispiel nehme ich hier das Augentraining. Eine Teilnehmerin, die sehr trockene und müde Augen hatte, wollte auf jeden Fall regelmäßig eine wohltuende Pause, wie im Seminar kennengelernt, in den Arbeitsalltag einbauen. Aber sie hat es einfach vergessen und sich über sich selbst geärgert.

So ist es oft: Schwuppdiwupp entdeckst du dich wieder im alten Fahrwasser – nicht weil du es nicht wolltest, sondern weil dein Gehirn die energiesparende Abkürzung nimmt, anstatt etwas anders zu machen als üblich. Das ist normal. Doch es gibt eine Chance, das zu verändern: Du brauchst einen Anker, eine Abruferinnerung.

Was hilft: Anker und regelmäßige Impulse

Konkret kann das so aussehen: Du nutzt eine Routine, etwas, was du üblicherweise im Alltag tust und verknüpfst die mit dem Neuen: „Nach der Mittagspause mache ich zwei Minuten Augenentspannung“. Der Trick ist, das neue Verhalten so eng wie möglich mit einem bereits vorhandenen Auslöser zu verknüpfen.

Oder du legst dir eine sichtbare Erinnerung zurecht – eine Notiz am Bildschirm oder du nutzt die Terminerinnerung über Outlook, der dich an die Pause erinnert.

Dazu habe ich die Transferbegleitung für meine Seminare entwickelt: Um die Umsetzung im Alltag zu erleichtern, erhalten Teilnehmerinnen und Teilnehmer zweimal pro Woche eine Mail über eine Lernplattform mit einem konkreten Impuls –

  • zur Augenentspannung
  • zur Augenbeweglichkeit
  • oder zur Reflexion

Dazu kommen Anregungen zur Umsetzung und die Möglichkeit, über die eigenen Erfahrungen zu berichten. Viele sagen mir: „Ohne diese Mails hätte ich es nicht geschafft, das in meinen Alltag zu integrieren.“

Zusätzlich hilft es, sich einen Lern- oder Umsetzungspartner zu suchen – idealerweise jemanden aus demselben Seminar, mit ähnlichem Ziel. Oder einen Kollegen oder jemand anderes, der auch etwas verändern will. In meinen Seminaren höre ich bei diesem Vorschlag immer wieder: „Ach, das wird schon klappen! Ich hab’s ja fest vor!“ Doch der Alltag zeigt, dass es eben nicht so leicht gelingt.

Hürde 2: Die Reaktion deines Umfelds

Die zweite Hürde kommt von außen – und wird häufig völlig unterschätzt. Denn oft planen wir die Reaktion unseres Umfelds nicht in die Veränderung mit ein.

Ein Beispiel: Du warst in einem Seminar und hast gelernt, wie du deine Augen entspannst. Du hattest hohen Leidensdruck, weil du abends so oft Kopfschmerzen hattest. Im Seminar hast du erlebt, wie leicht es ist, die Augen zu entspannen.

Jetzt sitzt du am Schreibtisch, merkst, dass deine Augen ermüden – das ist schon mal super! Denn normalerweise würdest du es erst am Abend merken. Du beginnst mit einer Klopfmassage, und die Kolleginnen sehen das: „Was machst du denn da? Kommt das aus dem Seminar? Sieht schon bisschen merkwürdig aus, was du da machst – findest du nicht?“

Hand aufs Herz: Wie würdest du reagieren? Machst du einfach weiter – oder lässt du es bleiben?

Dasselbe gilt zu Hause: Der Partner oder die Familie ist vielleicht irritiert oder ablehnend, wenn bestimmte Routinen sich plötzlich verändern. Das gilt besonders dann, wenn du beschlossen hast, dich etwa besser abzugrenzen und mal ‚Nein’ zu sagen. Da spielen viele eingefahrene Muster eine große, nicht zu unterschätzende Rolle.

Was hilft: Das Umfeld strategisch einbeziehen

Die Teilnehmerin aus meinem Beispiel weiß aus Erfahrung, dass ihre Kolleginnen am Anfang skeptisch sind. Aber sie weiß auch, dass diese ebenso oft über müde oder trockene Augen klagen. Deshalb passt sie ihre Strategie an:

Im nächsten Teammeeting berichtet sie vom Seminar und zeigt gleich zwei Übungen, die sich leicht einsetzen lassen und gleich eine Wirkung haben.
Der Vorteil: die Führungskraft wird mit ins Boot geholt – mit dem klaren Argument: „Ich tue etwas, um meine Leistungsfähigkeit zu erhalten. Pausen sind dafür notwendig!“
Am nächsten Tag fängt sie für sich an, die Übung zu machen. Die Kolleginnen schauen – und sie sagt: „Mach doch mal mit!“
Die Kolleginnen steigen nach kurzem Zögern ein. Manchmal entwickelt sich daraus eine Teamroutine – unsere 5 Minuten aktive Pause am Vormittag!

Die entscheidende Lektion: Wer sein Umfeld kennt und es rechtzeitig einbezieht, räumt eine der größten unsichtbaren Hürden aus dem Weg – bevor sie überhaupt auftaucht. Das ist kein Trick, sondern schlicht gute Vorbereitung.

Hürde 3: Kein klarer Plan

Stell dir vor, du möchtest eine Wanderung machen – auf einer Strecke, die du noch nicht kennst. Das Ziel ist ambitioniert, du wirst eine ganze Weile unterwegs sein. Würdest du einfach losgehen und dir sagen „Es wird schon werden“?

Kaum. Du nimmst Proviant mit, hast eine geeignete Ausrüstung, erkundigst dich nach dem Wetter. Du weißt, dass diese Wanderung mehrere Etappen haben wird, planst Pausen ein und blickst dabei auf die bereits zurückgelegte Strecke zurück. Und du weißt im Vorfeld, dass manche Stellen anspruchsvoller sein werden – und hast dir Gedanken darüber gemacht, wie du damit umgehen wirst.

So ist es auch bei Veränderungen. Du brauchst zumindest Vermutungen darüber, welche Hürden und Hindernisse auftauchen können. Du kennst dich ja – du weißt, wann du verzagst oder wann deine Motivation nachlässt. Das kannst du alles berücksichtigen, damit deine Veränderung gelingt!

Was hilft: Beantworte diese drei Fragen – schriftlich!

Beantworte dir diese Fragen – denn nur schriftlich wird es wirklich greifbar. Denn so denkst du in einem anderen Tempo und du berücksichtigst mehr, als wenn du nur darüber nachdenkst.

  • Was will ich mit großer Motivation (du erinnerst dich – auf der Skala über 7) verändern? Beschreibe es ganz konkret in deinen Worten.
  • Wie sieht diese Veränderung ganz konkret aus? Was machst du anders als bisher?
  • Wann – und in welchen Situationen wirst du es umsetzen?

Ein guter Plan beinhaltet außerdem die Frage: Auf welche Warnsignale sollte ich achten, um nicht in den Automatismus des ‚so-wie-immer’ zurückzufallen?

Also die Gedanken, körperlichen Empfindungen oder genau die Situationen, die dich dazu bringen, in das alte Muster wieder aufleben zu lassen – oft ohne dass du es bewusst merkst. Im Abschnitt weiter unten findest du dazu konkrete Beispiele.

Das kann sein, wenn du sowieso angespannt oder gestresst bist. Oder wenn du es eilig hast. Das Verrückte ist ja, gerade an Tagen, an denen viel los ist, wären kleine Pausen so hilfreich – gerade dann werden sie ausgeblendet oder vergessen!

Hürde 4: Zu viel auf einmal wollen

Eine der häufigsten Fallen: Man nimmt sich zu viel vor. Mehrere Gewohnheiten gleichzeitig, zu große Schritte, zu hohe Erwartungen an sich selbst.

Bleib bei einer Verhaltensänderung oder einer Gewohnheit. Nicht zwei, nicht drei – eine. Und: Veränderung braucht Zeit. Es ist kein Spaziergang, es ist eine Wanderung! Im Gehirn müssen neue Wege angelegt werden – neue synaptische Verbindungen. Bis die gut ausgebaut und sicher begehbar sind, vergehen realistischerweise 2–3 Monate. Alles andere ist schlichtweg unrealistisch.

Oft starten wir sehr optimistisch – und dann holt uns die Realität ein. Die erste Hürde, der erste Frust, dass es nicht gelingt. Das ist normal. Kein Grund, sich darüber zu ärgern. Du bist in der Realität angekommen, und das ist ein entscheidender Schritt. Wichtig ist, anzuerkennen, dass du Stück für Stück vorankommst.

Was hilft: Selbstwirksamkeit stärken – du hast das schon einmal geschafft

Ein Beispiel aus meinen ‚Leichter Lernen-Seminar‘, da stelle ich zu Beginn drei Fragen – eine davon lautet: „Wo ist es dir schon einmal gut gelungen, etwas zu lernen, obwohl du dir vorher unsicher warst oder gezweifelt hast?“

Viele Teilnehmende tun sich schwer, diese Frage zu beantworten. Und doch steckt hier ein großes Potenzial: Das Wissen um eine bereits gemachte Erfahrung stärkt deine Selbstwirksamkeit. Du hattest dieses Potenzial schon einmal – und du kannst es wieder aktivieren.

Und noch etwas: Wenn es mal nicht klappt – wenn du einen Tag oder eine Woche zurückfällst – ist das kein Zeichen von Schwäche oder mangelnder Disziplin. Es ist ein ganz normaler Teil des Prozesses. Viele Menschen hören genau an dieser Stelle auf, weil sie sich schämen oder das Gefühl haben, von vorne anfangen zu müssen.

Das ist nicht nötig. Du fängst eben nicht von null an – du atmest tief durch machst weiter.

 

Du kennst jetzt die Hürden. Im Coaching arbeiten wir gemeinsam daran, sie für deine konkrete Situation aus dem Weg zu räumen.

Hier kannst du einen Termin für ein kostenfreies Erstgespräch vereinbaren.

Im nächsten Blogartikel geht es noch einmal konkret in die Tiefe.

Ein Problem löst keine Begeisterung aus, das ist klar. Sicherlich kommt es auf die Dimension an. Wenn der Bildschirm plötzlich schwarz ist, haben Sie ein mittelgroßes bis großes Problem. Wenn Maschinen ausfallen oder eine nicht geplante Reparatur notwendig ist, ist das ebenfalls ein Problem. Auch, wenn Sie mit Kollegen Konflikte haben oder Anfragen nicht beantwortet werden. All das kann nerven, einen Schrecken oder in der Folge Unsicherheit auslösen. Bekomme ich es wieder hin? Wer kennt das Problem, wen kann ich fragen?

Was im Hintergrund abläuft, also in Ihrem Gehirn, das ist ein Lernprozess. Lernen im Alltag nenne ich das, offiziell heißt es informelles Lernen.

Schauen Sie hinter die Kulissen Ihres Lernens und was das informelle Lernen mit Ihrer Selbstwirksamkeit zu tun hat.

Lernen bedeutet, Probleme zu lösen

Während es Arbeitstages gibt es viele Situationen, wo Sie Ihr bestehendes Wissen neu oder ganz flexibel anpassen und einsetzen. Eine Kundenanfrage, die es so speziell noch gar nicht gab. Sie recherchieren, wägen ab und können die Frage schließlich zur hörbaren Zufriedenheit des Kunden beantworten. 

Oder ein Meeting, in dem über eine neue Anschaffung diskutiert wird. Die ist aus Ihrer Sicht längst fällig und Sie sind mit einem Kollegen für die Erstellung der genauen Anforderungen zuständig. Denn das könnte für Sie und Ihre Kollegen in Zukunft viele Abläufe wesentlich verbessern! Mit Elan gehen Sie die Aufgabe an. 

Der Kollege, den Sie an seiner Maschine im Bedarfsfall vertreten sollen. Ab und zu haben Sie das schon gemacht, aber das ist schon länger her. Was hat sich verändert, worauf sollen Sie achten? Das ist mit etwas Aufregung verbunden, gleichzeitig freuen Sie sich über die Abwechslung.  

Tatsächlich lernen Sie fast ständig

Ganz nebenbei möchte ich Ihnen hier die verschiedenen – auch unbemerkten – Lerngelegenheiten mit dem 70:20:10 Modell nach Charles Jennings vorstellen. 

70% dessen, was Sie lernen, passiert sozusagen nebenbei. Es ist Ihnen meistens nicht bewusst. Das beginnt mit dem Weg zur Arbeit, wo quasi über Nacht eine neue Baustelle entstanden ist. Sie überlegen: ‚Wo fahre ich jetzt am besten lang? Folge ich der Umleitung oder habe ich eine (hoffentlich) bessere Idee?’ Schon das ist Nebenbei-Lernen.  Entweder nutzen Sie flexible Ihre Ortskenntnis oder Ihre Ortskenntnis wird erweitert. Was dazugehört, ist der Umgang mit der Situation. Sind Sie genervt oder bleiben Sie gelassen?

Das Lernen im Alltag mit dem 70:20:10 Modell

Das Lernen im Alltag mit dem 70:20:10 Modell

Arbeitsplatznahes Lernen

Es gibt ein Problem oder eine Herausforderung. Vielleicht gehören Sie dabei zu denen, die erst einmal selbst ausprobieren, um weiterzukommen. Wenn das nicht klappt, recherchieren Sie auf YouTube oder in der Wissensdatenbank. Wenn Sie dort ein Video finden, gucken Sie sich etwas ab. Vielleicht schauen Sie auch einem Kollegen über die Schulter. Oder Sie fragen gleich direkt nach, wie bei der Kundenanfrage, die es so noch nicht gab. 

Wenn es um das Beispiel der Anschaffung geht, überlegen Sie erst einmal für sich, was diese aus Ihrer für Anforderungen erfüllen muss. Danach setzen Sie sich mit Kollegen zusammen und fragen nach deren Bedarf oder Sichtweise. 

Wenn Sie im Fall der Vertretung die Maschine bedienen sollen, könnten Sie zuerst einmal zuschauen. Oder im Handbuch nachblättern. Wenn Sie selbst wieder an der Maschine stehen, könnten Sie den Kollegen nach Feedback fragen. Fällt ihm etwas auf, was Sie übersehen oder besser machen können? 

Stärkung der Selbstwirksamkeit

Das, was Sie im Alltag neu gelernt haben, wenden Sie an. Ihre Fähigkeiten und Kompetenzen sind gewachsen. Meistens passiert das so nebenher, ohne dass es Ihnen bewusst ist. Eine typische Begleiterscheinung des informellen Lernens. 

Doch Sie könnten sich nach einer neuen Aufgabe oder nach dem Lösen eines Problems fragen:

  • Was kann ich jetzt besser? 
  • Was ist jetzt leichter als vorher?
  • Was geht jetzt schneller oder flüssiger?
  • Wo fühle ich mich jetzt viel sicherer?
  • Womit komme ich besser klar?
  • Wo ist es KollegInnen aufgefallen, dass Sie das jetzt können? 

Eine gute Voraussetzung für die nächste Herausforderung. Sie trauen sich mehr zu. Wahrscheinlich fällt das auch anderen auf. Ihrem Teamleiter oder Ihrer Führungskraft. Sie bekommen andere Aufgaben. Oder solche, die vielfältiger sind. Das sind wiederum neue Lerngelegenheiten. 

Selbstwirksamkeit stärken

Stärkung der Selbstwirksamkeit

Motivation durch Wertschätzung für das eigene Lernen

Reflektieren Sie doch mal eine Woche lang am Arbeitsende, was Sie an diesem Tag gelernt haben. Was haben Sie neu ausprobiert, welches Problem konnten Sie lösen? Welche Frage konnten Sie beantworten, zu der Sie erst einmal selbst recherchieren mussten?

Denn – ganz ehrlich – ohne Lernen kommen Sie gar nicht durch den Tag. Diese kleinen ‚Learnings‘ werden von vielen Lernenden gar nicht wahrgenommen. Unter Lernen verstehen wir oftmals die anstrengenden, langen Phasen des Lernens. Auf einen Abschluss hin oder wenn Sie isch in ein ganz neues Thema einarbeiten. Das ist das bewusste Lernen, das in der ganzen Lernbiografie insgesamt nur einen kleinen Teil einnimmt. 

Ja, reflektieren Sie Ihr Lernen – nur mal eine Woche lang. Sie werden feststellen, dass da eine ganze Menge zusammenkommt. 

Lernen im Austausch

Zu etwa 20% findet Lernen im Austausch statt. Sie wissen, dass sich ein Kollege prima mit einem Programm auskennt, dass Sie nur selten nutzen. Also fragen Sie nach, wenn Sie nicht weiterkommen. Umgekehrt sind Sie gefragt, wenn es um neue Regelungen geht, weil Sie jeden Tag damit zu tun haben. Ein Praktikant kommt in Ihre Abteilung, der Fragen hat, die Sie überraschen und sogar Ihren Blickwinkel verändern. ‚So habe ich das noch nie gesehen, hm, da ist was dran!‘ Umgekehrt können Sie vom aktuellen Wissen des Praktikanten oder Studium oder der Ausbildung profitieren. 

Beim Mittagessen sitzen Sie mit Kollegen aus einer anderen Abteilung am Tisch. ‚Sag mal, wie ist es denn bei Euch mit der neuen Strategie?‘ Auch das ist Lernen, weil Sie Ideen und Hinweise bekommen, wie andere mit einer neuen Situation umgehen.

Ohne Freiräume und Gelegenheiten zu Austausch kann das Lernen voneinander nicht stattfinden. Da werden in der Teeküche Tipps ausgetauscht oder am Kopierer eine Geschichte erzählt, die wichtige Informationen enthält, die so in keinem Handbuch stehen. Oder im Besprechungsraum Fachjournale durchgeblättert. Natürlich gehört das auch zum Lernen dazu. Wer solche Gelegenheiten mit ‚Sonst habt Ihr nichts zu tun?‘ abwürgt, braucht sich über mangelnde Lernbereitschaft nicht (mehr) zu wundern.  

 

Nebenbei-Tipp für Führungskräfte

Lernchancen und Lernmotivation können gefördert werden, indem Lernen und auch das Nicht-gleich-sofort-wissen-und-gelingen ganz selbstverständlich thematisiert werden. Laden Sie als Teamleitung oder Führungskraft dazu ein, Fragen zu stellen. Zuerst aber zeigen Sie selbst, was Sie gerade lernen oder gelernt haben und wie Sie dabei vorgegangen sind. 

Tätigkeiten, die sehr eindimensional sind, bieten leider kaum Lernanlässe. Schade, denn dann kann es sein, dass diese Mitarbeiter sich weniger zutrauen. Sie erleben sich weniger selbstwirksam. Wie können solche Tätigkeiten abwechslungsreicher gestaltet werden? 

Im privaten Umfeld ist Lernen etwas ganz anderes!

Selbst die Mitarbeiter, die eindimensionale Tätigkeiten ausführen und sich im Beruf womöglich wenig Neues zutrauen, im privaten Alltag lernen fast alle, ganz selbstverständlich. Das sind die Erzählungen der Kinder aus der Schule, Freunde berichten von ihren Urlaubserlebnissen. Ihr Partner oder Ihre Partnerin hat einen Konflikt erlebt und möchte Ihre Meinung hören. Sie hören Nachrichten, lesen ein Fachjournal oder schauen sich eine Sportsendung an. Schließlich recherchieren Sie zu den Möglichkeiten der Konfliktbewältigung im Internet weiter. Sie wollen mehr darüber wissen und lernen dabei, ohne dass es Ihnen direkt bewusst ist. 

Vielleicht können Sie dieses Wissen schon am nächsten Tag bei der Arbeit anwenden?

Jetzt wird es doch noch anstrengend: das formale Lernen 

Jetzt bleiben nur noch die 10% aus dem Modell übrig. Das ist das, was wir meistens mit Lernen verbinden. Ein E-Learning, das für alle in der Abteilung durchlaufen werden soll. Eine ganze Seminarreihe zu Führungsthemen. Neue Abläufe durch die Digitalisierung oder eine ganze Serie von Fachartikeln, die Sie lesen sollten. Dieses Lernen fühlt sich oft anstrengend an. Auf einmal wird Ihnen bewusst, dass Ihr Gehirn ziemlich viel zu leisten hat.

Was haben Sie nun davon? 

Diese 70:20:10 Aufteilung trifft für Sie vielleicht gar nicht zu. Entweder sind es 80:15:5 oder 60:30:10. Darauf kommt es nicht an. Sondern darauf, dass Sie tatsächlich täglich lernen, wenn Sie ein Problem lösen oder eine Herausforderung bewältigen. Sie bleiben fit für das Lernen. Aber das Schönst ist, dass Sie Ihre Selbstwirksamkeit damit stärken. 

Das fühlt sich gut an und wappnet Sie für das, was noch an Veränderungen kommen mag. 

Was können Sie sich von Ihrem eigenen Lernen abgucken?

 

Wenn Sie mal hinter die Lernkulissen des täglichen Lernens gucken wollen, hier einige Anregungen dazu: 

Wenn Sie für sich allein am Problem getüftelt haben:

  • Welches Nebenbei-Lernen habe ich fast nicht bemerkt? 
  • War es tatsächlich so leicht?
  • War es für eine Herausforderung, die mich erst recht angespornt hat? 
  • Wo war ich erst einmal kurz blockiert und habe doch eine Lösung gefunden? 

Wenn Sie für sich mit Kollegen ausgetauscht haben:

  • Wie schnell frage ich Kollegen (statt es selbst zu probieren)?
  • Kenne ich die Kollegen so gut, dass ich weiß, wen ich frage und wen nicht?
  • Wo gibt es gute Gelegenheiten, andere um Unterstützung zu bitten (ohne sie zu stören)?
  • Was kann ich im Gegenzug für die Kollegen tun?

Wenn Sie doch ganz bewusst und formal gelernt haben:

  • War das bewusste Lernen geplant oder wurde es im Laufe der Herausforderung notwendig?
  • Welche Strategie habe ich angewendet, um mir die Inhalte zu merken?
  • Kann ich mir von meinem Nebenbei-Lernen oder Austausch-Lernen etwas für das bewusste Lernen abgucken, damit es leichter wird? 

Denn das Reflektieren über das Lernen ist etwas, was oft zu kurz kommt. Oder meistens gar nicht stattfindet. Dabei ist das eine Chance, womit Sie Ihr Lernen sowohl leichter als auch abwechslungsreicher gestalten können. Da macht Ihr Gehirn liebend gerne mit und es bleibt auch mehr hängen.

Wenn Sie mehr wollen

Wenn Sie mehr über das Lernen und Reflektieren erfahren und erleben wollen:

Ein Lerncoaching ist ein individuelles Format, mit dem Sie sich und Ihr Lernen intensiv ansehen.

Zusammen mit Ideen, wie Sie es sich leichter machen können, damit Lernen gelingt!

Oder Sie buchen für Ihre Mitarbeiter die agile Lernreise oder wir kommen einfach ins Gespräch darüber, was Sie jetzt brauchen können.

Schreiben Sie mir doch, ich freue mich auf einen Austausch mail@margit-reinhardt.de