Besitzen Sie auch einen Schweinehund?
Ein heikles Thema, gerade deswegen ist es wichtig, darüber zu sprechen. Was macht Ihr innerer Schweinehund? Sitzt der auch bei Ihnen auf dem Sofa?
Ein heikles Thema, gerade deswegen ist es wichtig, darüber zu sprechen. Was macht Ihr innerer Schweinehund? Sitzt der auch bei Ihnen auf dem Sofa?
Tja, warum nicht den Urlaub dazu nutzen, um die persönliche Veränderungsfähigkeit zu reflektieren? Das ergab sich einfach so. Unabsichtlich. Alles begann mit einer Zugfahrt. Anstatt mit dem Auto, sind wir zur Abwechslung mit dem Zug in den Urlaub gefahren. In die Berge, nach Italien. Allein das ergab schon neue Blickwinkel – mal vom Zug aus die Autobahn sehen, auf der wir sonst unterwegs gewesen wären. Abgesehen davon hatten wir interessante Begegnungen im Zug, eine Familie aus Chicago auf dem Weg nach Venedig, ein Paar, dass zum Wandern unterwegs war, bei dem man das auf den ersten Blick echt nicht vermutet hätte. Genau, es ging ja auch um den Blick über den Tellerrand und die Reflektion. Um schnelle Einschätzungen, die ebenso schnell revidiert wurden.
Ein Urlaub ist ja geradezu prädestiniert für dieses Thema – allerdings ist es eine selbstgewählte Veränderung des Alltäglichen. Wenn ich in meinen Seminaren die Frage nach der Offenheit für Neues stelle, wird diese nach einem kurzen Zögern bejaht: “Na, grundsätzlich schon!“. Warum auch nicht? Doch mit Veränderungen bzw. der Offenheit für Neues wird oft der private Alltag gemeint. Dinge, die man selbst steuern und beeinflussen kann. “ Klar probiere ich Neues aus! Sehr gern sogar – neue Rezepte, mal woanders hinfahren, etwas anschauen.“ Veränderungen in Mini-Dosierung. Reicht das aus, um für die Veränderungen, die sich in den nächsten Jahren ereignen werden, fit zu sein?

Sehen Sie Veränderungen als eine Chance, sich weiterzuentwickeln zum Beispiel? Nicht nur als Abwechslung im Urlaub, sondern auch im beruflichen Umfeld?
Veränderung wird keine Ausnahme mehr sein, die alle paar Jahre mal irgendwie stattfindet. Allein die Halbwertszeit unseres technischen Wissens beträgt ungefähr 1,5 Jahre. Das Umfeld – die Stadt, die Natur und die Gesellschaft verändern sich permanent. Egal, ob Sie angestellt oder selbstständig sind, wer sich nicht anpasst oder besser: immer weiter dazu lernt, wird irgendwann den Anschluss verlieren! Ob es die Digitalisierung ist, die Ihr Arbeitsumfeld verändert oder ob Sie sich ein ganz neues Arbeitsgebiet erschließen werden. Veränderung kommt von innen – Sie wollen etwas Neues tun und Sie kommt von außen: ‚Schon wieder eine neue Software? Ich komme doch gerade mit der alten Version klar! Und überhaupt – es funktioniert doch noch alles!‘
Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, wie Ihr aktueller Arbeitsplatz in 3, 5 oder 7 Jahren aussehen wird? Menschen überschätzen was sich in 10 Jahren verändert und unterschätzen oft, was sich in 2 oder 3 Jahren wandelt. Was viele Menschen verunsichert, ist die Ungewissheit, die Unberechenbarkeit.
Nach 15 Jahren Pause sind wir wieder an einen Ort gefahren, den wir schon kannten. Mal sehen, was sich verändert hat! Dort haben wir uns Fahrräder ausgeliehen, um die Gegend auf diese Weise zu erkunden. Ungewöhnliche Situationen regen das Gehirn bekanntermaßen an.
Gewohnheitsmäßige und schon X – mal Erlebtes wird im Gehirn als eine Art Muster, wie ein Grundgerüst, abgespeichert. So ist es auch mit dem Fahrradfahren. Neue Erfahrungen – mit anderen Rädern und Strecken – werden mit dem Bestehenden abgeglichen und hinzugefügt. Mit meinem Citybike bin ich mittlerweile fast verwachsen. Aber das steht ja zuhause. Hier war ich nun zum ersten Mal mit einem Mountainbike unterwegs. Die Leichtigkeit dieses Fahrrades war schon toll. Gänge ohne Ende. Nur, das Fahrgefühl war erst einmal ziemlich irritierend. Die Haltung eine ganz andere, weil der Lenker so tief ist. Meine Komfortzone quengelte! Ich habe mich dabei ertappt, dass ich mir spontan“ mein Fahrrad“ hierher gewünscht habe. Diese Reaktion fand ich schon interessant und das spornte mich erst recht an, mich auf das Neue einzulassen. Es wird Zeit, dachte ich mir, mein verfestigtes Fahrrad-Denkmuster etwas zu irritieren. Auch die Strecken waren natürlich ganz anders als hier im Karlsruher Flachland. Ein Muskelstärkendes Auf und Ab, super anstrengend, aber sehr sinnvoll angesichts des hervorragenden Essens!

Ja, die liebt nicht nur gutes Essen, sondern auch Gewohnheiten und Sicherheit.
Neues mag ja ganz interessant sein, doch die persönliche Komfortzone ist oft noch viel lockender. Es ist das Gewohnte, dass was Sie kennen, was Ihnen vertraut ist und wo Sie sich sicher fühlen. Sie können einschätzen, was Sie erwartet. Für unser Gehirn ist es der Energiesparmodus und wird deswegen bevorzugt angesteuert.
Neues oder Veränderungen hingegen verbrauchen einfach mehr Energie. Abläufe dauern länger, Sie fühlen sich unsicher, werden ungeduldig oder wissen nicht, wann Sie mit bestimmten Aufgaben fertig sein werden. Da ist es doch viel leichter, auf der gehirneigenen Autobahn unterwegs zu sein. Ein Dilemma!
Damit sie von Neuem nicht so überrascht werden, können Sie Ihre Komfortzone regelmäßig mit Kleinigkeiten trainieren. Das ist ja das geniale mit unserem Gehirn! Wenn Sie Ihre Komfortzone in ein Trainingslager schicken, können sie mit großen und kleinen Neuerungen viele besser und souveräner umgehen! Wie das geht? Es ist super einfach: tun Sie etwas, was ihnen fremd ist. Oder etwas, was sie bisher aus ihrem Denken ausgeschlossen haben. Unser Denken basiert ja wiederum auf unseren Gewohnheiten. Schon sind wir wieder in der Komfortzone gelandet. Die breiten Autobahnen, die uns weismachen wollen, dass hier das beste Leben stattfindet.
Um noch einmal auf das Radfahren zurückzukommen. Nach 4 Stunden – gefühlte 2 Stunden ging wirklich nur stetig bergauf – hatte ich erst einmal genug. Insgesamt haben wir in unserem Urlaub 3 Fahrradarten getestet: ganz einfach, nur ein paar Gänge (naja… das machte ausgerechnet an einem heißen Tag nicht so viel Spaß) und schließlich noch ein E-Bike. Wollte ich vorher nie…. abgeschreckt durch die Radler, die in einem Affenzahn (wahrscheinlich dem Tagesziel von 150 Kilometern geschuldet) an uns vorbeipreschten. In den Gesichtern sah ich eher Stress als Erholung.

Sind Sie eher ein Veränderungsjunkie und können nicht genug bekommen vom Ausprobieren? Da hätten Sie jeden Tag ein anderes Fahrrad gewählt! Im Berufsalltag sind Sie für neue Projekte oder einem Wechsel in eine andere Niederlassung nicht abgeneigt. Eine ganz neue Arbeitsweise – na endlich! Diese Menschen sind es, die oft etwas vorantreiben und bewegen wollen.
In diesem Fall hätten Sie im Vorfeld gecheckt, wo es welche Fahrräder gibt. Dann hätten Sie diese ausprobiert und nach gründlicher Überlegung eins ausgewählt. Im Berufsalltag gehören Sie eher zu denen, die lieber erst einmal abwarten oder sich ganz gründlich informieren und dann entscheiden. Das neue Projekt und noch so etwas wie agiles Arbeiten – lass doch die mal machen, wahrscheinlich wird es nichts, warten wir einfach mal ab.
Ach ja, gibt ja noch eine dritte Variante: das sind die, die zuerst ein wenig zögerlich sind, dann aber gerne mitmachen! In meinem Fahrradbeispiel hätten Sie erst mal nach anderen Meinungen und Erfahrungen gefragt. Wer hat denn das Rad schon gefahren? Wie ist das hier in der Gegend, was empfehlen Sie? Nach der ersten Skepsis und wenn Sie andere beobachten, fällt es Ihnen leichter, mitzumachen und dann packt auch Sie die Motivation!
Wohin tendieren Sie eher? Zu denen, die sofort beim Neuen mit dabei sind, mit Neugier und Entdeckerfreude? Oder tendieren Sie zu denen, die lieber erstmal abwarten und schauen? Melden sich schnell ihre inneren Bedenkenträger, die sofort mindestens 9 Gründe finden, warum das wahrscheinlich nicht funktionieren wird.
Die Wahrscheinlichkeit ist relativ groß, dass Sie in 3, 5 oder 10 Jahren nicht mehr so arbeiten werden, wie Sie es heute tun. Überlegen Sie mal, wie es in Ihrem Beruf oder in Ihrer Branche aussieht: Ist die Entwicklung klar vorhersehbar? Vieles ist ungewiss. Das ist für manche schwer auszuhalten, leichter ist es, einfach zu hoffen, dass es schon nicht so heftig werden wird. Ich meine, sich in Flexibilität zu üben, ist immer sinnvoll. Besser noch, sich die Offenheit oder und Neugier lebenslang zu bewahren. Die Zukunft wird mit Sicherheit eins beinhalten: viele Unwägbarkeiten. Das braucht Mut, Lernbereitschaft, Frustrationstoleranz, einen guten Umgang mit Stress – kurzum eine solide Belastbarkeit. Das war auch in meinem Urlaub so, aber bevor es damit weitergeht, hier ein Überblick über die Veränderungskompetenzen.

Wie gesagt, ich war veränderungsbereit. Also auch ein E-Bike. Unsinnig, dachte ich mir anfangs, ich will mich ja bewegen und nicht bewegt werden! Aber – ich gebe zu, bei den Bergstrecken war es dann doch cool, mit dieser Unterstützung voranzukommen. Wir konnten so unsere Touren ausweiten, haben uns ausgepowert, waren aber nicht fix und alle. Haben uns Zeit für den Duft der Wiesen genommen, haben viele Nah- und Fernaussichten genossen und waren einfach im Hier und Jetzt. Und es hat so gut getan!
Am Anfang mag es sich ein wenig komisch anfühlen. Je häufiger Sie einen Ausflug aus ihrer Komfortzone machen, einen Blick über den Tellerrand Ihres Denkens wagen, desto interessanter wird es und desto leichter wird es ihnen fallen! Praktischer Nebeneffekt: Sie werden mit Veränderungen leichter und gelingender umgehen können.

Schließlich geht es darum, das eigene Leben gut zu gestalten. Denn Veränderungen macht ja nicht vor dem privaten Leben halt. oder dem gesellschaftlichen. Es trifft uns sozusagen alle. Von daher ist ein Austausch so wichtig – auch weil sich das Wissen so schnell
Verändert. Was können Sie von anderen lernen? Und umgekehrt natürlich auch.
“ Die wahren Entdeckungen liegen da, wo uns die Dinge fremd und neu sind.“
Svenja Hofert, Mindshift
Der Urlaub endete dann doch ganz anders als gedacht. Beim Absteigen bin ich aus dem Gleichgewicht gekommen: zwei Wochen Gipsarm. Immerhin – es war der letzte Urlaubstag. Soviel Neues wollte ich dann doch nicht, aber auch daraus habe ich, wenn auch unfreiwillig, meine Kompetenzen in Geduld und Frusttoleranz gestärkt. Nicht einfach, aber auch dies eine Sache des Blickwinkels.
Wann haben Sie das letzte Mal in einem Weiterbildungskatalog geblättert? Bestimmt haben Sie die ein oder andere Anregung gefunden und sich das Seminar vorgemerkt. Noch gibt es sie ja, die Kataloge, die auf lange Sicht hin planen. Auf Vorrat eben.
Die Realität sieht meistens anders aus. Ob Digitalisierung oder Globalisierung. Fachkräftemangel oder der demografische Wandel – schnell auf einen Bedarf reagieren und dabei noch möglichst flexibel sein, das ist heute wichtig. Allerdings erfordert das ein anderes Denken, eine neue Herangehensweise. Ein Weiterbildungsprogramm blickt weit in die Zukunft. Doch was nützt es Ihnen, wenn die für Sie relevanten Themen erst in einem halben Jahr drankommen? Von heute auf morgen ist es notwendig, dass Sie sich in eine neue Software einarbeiten. Ein aktuelles Projekt erfordert, dass Sie ad hoc in ein ganz neues Themengebiet eintauchen. Da sind Sie selbst gefordert, sich in die Logik der Software hinzudenken. Oder sich kurzerhand einen Überblick in ein komplexes Thema zu verschaffen.

Das gelingt, wenn Sie ein eigenverantwortlicher und selbstorganisierter Lernender sind. „Was brauche ich, um das Projekt x zu stemmen oder überhaupt in Gang zu bekommen?“ „Wie komme ich an die Informationen? Wer kennt sich aus?“ „Wie aktiviere ich meine Kollegen und Mitarbeiter?“ Da ist Bewegung drin, das ist der Kern des agilen Lernens.
Beim agilen Lernen kommen Sie idealerweise ins Tun. Sie lernen etwas, um es demnächst anzuwenden. Nicht irgendwann einmal in drei Monaten oder nur eventuell, weil sich der Bedarf schon wieder geändert hat. Sie lernen zeitnah, denn sonst haben Sie das meiste ja schon wieder vergessen! Logischerweise ist der Frust dann groß. ‚Das habe ich schon mal gewusst und jetzt muss ich da nochmal durch! Ach nö!‘

Von heute auf morgen fällt ein Kollege für eine längere Zeit aus. Ab jetzt sofort übernehmen Sie die Aufgaben. Allerdings haben Sie nur eine vage Ahnung von dem, was zu tun ist. Und nun?
A. Auch das noch, schon wieder was Neues! Zudem gibt es kaum Unterlagen über die Arbeit des Kollegen. Sie müssen also selbst aktiv werden und sich selbst organisieren. Mal angenommen, Sie sind es gewohnt, Neues eher über Seminare zu lernen. Dann betreten Sie jetzt Neuland. Das heißt, Sie suchen selbst die notwendigen Informationen zusammen, bewerten diese und setzen Prioritäten: was ist wirklich wesentlich? Irgendwo in Ihrem Arbeitspensum brauchen Sie noch die Zeit, um sich diesen Inhalten intensiver zu widmen. Das Lernpensum einteilen, das geht gerade noch. Kommen Sie auch gut mit der Langstrecke zurecht? Wie gelingt es Ihnen, auf längere Zeit an einem Thema motiviert dranzubleiben?
B. Vielleicht gehören Sie zu denen, die generell offen für Neues sind. Weil es Abwechslung verspricht oder sich spannend anhört. Der erste Schritt ist hier schnell getan. Mal zwischendurch hinein schnuppern und schauen, was schon intuitiv klappt. Fehler sind nicht auszuschließen, klar. Wie gehen Sie mit sich um, wenn erste Hürden auftauchen? Wenn Sie das Gefühl haben, die Logik der Software einfach nicht zu verstehen? Wenn Sie zum fünften Mal an derselben Stelle sind und wieder nicht weiterkommen? Wenn es so richtig zäh wird und aus der anfänglichen Spannung nur noch Anspannung übrig bleibt?
Ob Sie sich eher zu A oder zu B zugehörig fühlen oder ob es eine Mischung aus beiden ist: Sie brauchen vor allem die Kompetenz, in diesen Situationen mit sich selbst gut klarzukommen. Ach ja, denken Sie jetzt wahrscheinlich, das sind diese weichen Faktoren! Aber ich brauche die Fakten, die Inhalte, die Abläufe und vieles andere mehr! Das ist doch wichtig, oder?
Damit das alles gut gelingt, brauchen Sie genau diese Kompetenzen des selbstgesteuerten Lernens. Das, was oft ganz nach hinten geschoben wird, weil es oft heisst: „Das kann doch jeder!“ Keine Zeit, keine Ressourcen und – es geht doch auch so, oder? Irgendwie schon, klar. Aber es sind genau die Faktoren, die zukünftig an die erste Stelle gehören. Der freundliche Umgang mit sich selbst, die Regulierung der Emotionen und der Blick auf die Ressourcen. Parallel dazu die Kompetenz, selbstorganisiert das eigene Lernen zu planen und zu steuern. Beides hat als Zukunftskompetenz noch viel Nachholbedarf. Der Nutzen sei auch noch erwähnt: weniger Zeitaufwand, mehr Motivation, eine bessere Stimmung, ein offener Umgang mit Neuem.

So, wie Sie eine Reise planen, können Sie Ihr Lernen planen. Wo stehen Sie aktuell, wo wollen Sie hin? Wie viel Zeit haben Sie täglich dazu? Wer begleitet Sie oder mit wem können Sie sich unterwegs austauschen? Wie definieren Sie die Lernschritte und teilen sie in alltagstaugliche Häppchen auf? So, dass Sie dranbleiben und weiterkommen. Den Faden nicht aus den Augen verlieren, der Sie zum (Lern-)Ziel führt. Wann machen Sie eine Pause, um sich neu zu orientieren – sind Sie noch auf dem Weg, hat sich das Ziel eventuell verändert? Flexibilität ist so ganz anders möglich als in Seminaren mit festgelegten Inhalten und Abläufen.
Mit welchen Tools lernen Sie? Sind es Videos, lernen Sie online oder klassisch? Allein oder im Austausch? Wenn Sie sich mit Kollegen vernetzen und austauschen, erfordert das wiederum andere Kompetenzen. Teamfähigkeit, Kommunikation und die Bereitschaft, andere zu unterstützen oder selbst danach fragen. Lernen geht auch prima im Team. Sie können sich die Inhalte aufteilen und sich regelmäßig darüber austauschen. Das geht schneller, als wenn jeder sich selbst alles beibringen soll. Lernen ist so viel tiefer und nachhaltiger, weil Lücken schneller sichtbar werden und ausgeglichen werden können.
All das hat Gemeinsamkeiten mit agilen Methoden wie zum Beispiel Kanban. Das Tool, ursprünglich entwickelt, um die Projektorganisation transparent zu machen, eignet sich ebensogut für Lernprojekte. Ich nutze Trello. Damit können Sie planen – was alles zu tun ist, was gerade aktuell ansteht und was Sie schon erledigt haben. Dadurch ist der (Lern-)Fortschritt sichtbar, gleichzeitig haben Sie eine hohe Flexibilität. Schnelle Veränderung sind möglich und Sie können es prima im Team nutzen. Jeder sieht, wer was zu tun (zu lernen) hat und wie der aktuelle Wissensstand- oder Lernfortschritt aussieht.

Lernen in schmackhaften Portionen
Als Lernbegleiterin kenne ich die typischen Hindernisse und zeige Ihnen, wie Sie damit so umgehen, dass Ihr Lernen erfolgreich ist.
All diese Kompetenzen sind bei vielen Menschen noch im Entwicklungsstadium. Da funken Glaubenssätze in den Alltag hinein, die sich bei Herausforderungen gerne in den Weg stellen: „Das ist aber echt schwierig.“ „Das ist mir zu komplex – das mache ich einfach nicht. Jedenfalls nicht jetzt.“ Manch ein Lernender kommt in Stress, weil er oder sie sich extrem anstrengen, um das alles doch hinzubekommen. Da sind die Antreiber wie Perfektionismus oder „Streng dich an!“ aktiv. Sie können lernen, damit besser und leichter klarzukommen. Lernen Sie das Lernen neu!
Übrigens, extrem hilfreich ist es, wenn Sie sich mit jemandem austauschen können. Ein Kollege, der sich schon besser damit auskennt. Oder einer, der gerade auf demselben Weg ist. Lernen wird zukünftig viel mehr im Austausch miteinander stattfinden, in der Vernetzung. Wir alle, Sie und ich, können so vielfältig voneinander profitieren. Von den Erfahrungen, den Fragen, die jeder mitbringt.Wir können uns gegenseitig bestärken und ermutigen. Das geht vor Ort im direkten Kontakt oder immer häufiger über Online-Communities.
Wo stehen Sie in der Entwicklung Ihrer Lernkompetenzen? Was klappt gut, wo sehen Sie Handlungs- oder Entwicklungsbedarf? Schreiben Sie mir gerne einen Kommentar
Hier können Sie an meinem Seminar teilnehmen.
Wann sind Sie so motiviert, sich anzustrengen, um etwas zu lernen? Macht es Sinn? Lohnt sich die Anstrengung? Die Frage ist immer da, ob es Ihnen bewusst ist oder nicht. Was gefällt den 83 Milliarden Neuronen denn so gut, dass sie aktiv dabei sind? Auf der diesjährigen Learntec in Karlsruhe ging es in den Vorträgen häufiger darum, wie sich Lernende offline und online motivieren, mit Hürden umgehen und erfolgreich dranbleiben.
Die erste Hürde kann schon am Start stehen, insbesondere dann, wenn es um Formale abseits des Präsenzlernens geht. Beim Präsenzlernen sind Lernende nun mal vor Ort. Beim Onlinelernen liegt es am Lernenden, wann er sich die Lernzeit nimmt. Oft ist das erst dann der Fall, wenn alles andere endlich erledigt ist.
Die zweite Hürde ist die, wenn es nicht so klappt wie geplant. Es geht nicht so schnell voran, das kann frustrieren oder es passieren Fehler. Auch das ist Teil des Lernens. Hier kommen die Selbstlernkompetenzen zum Einsatz. Wie gut können Sie sich – gerade beim E-Learning -selbst organisieren? Und wie steht es um die Emotionsregulierung? Das waren neben all den technischen Möglichkeiten die, die mir am meisten aufgefallen sind. Ohne die Kompetenzen der Lernenden wird das alles nicht funktionieren.
Das Gehirn funktioniert sehr verlässlich und bleibt sich treu, egal, wie sich die Technik entwickelt. Denn Menschen lernen vor allem von anderen Menschen, durch Beobachtung und Interaktion. Das fängt bereits beim Säugling an und bleibt zeitlebens bestehen. Sozusagen die Ur-Form des Lernens. Wir sind soziale Wesen und brauchen den Austausch, die Bestätigung und Rückkoppelung von anderen Menschen. Darum ging es beim Vortrag der Sozial- und Neurowissenschaftlerin und Science-Slammerin Franca Parianen, die in Utrecht forscht. Mit „83 Milliarden Nervenzellen gefällt das“ hat sie ihren sehr kurzweiligen Vortrag betitelt.
Was für andere Menschen eine Bedeutung hat, erkennen Sie daran, wohin sie schauen. Denn im Vergleich zu den Primaten unterscheiden sich unsere Augen auf eine sehr markante Weise. Es ist das Weiße des Augapfels. Achten Sie mal darauf! Dadurch können Sie schnell erkennen, wohin etwa Ihr Gegenüber schaut. Ist er noch bei Ihnen und präsent oder gerade abgelenkt? Sie sehen, was für andere bedeutsam oder interessant ist. Das kann durchaus auch für Sie wichtig sein. Dem kann man sich kaum entziehen.
Ausserdem können wir auf etwas zeigen: da ist etwas, was wichtig ist! Und schon wird der Blick dorthin gelenkt. Wir geben eine Richtung, eine Orientierung, an: da geht es lang! Das kennen wir von Verkehrsschildern oder den Hinweisen, wo es zur nächsten S-Bahn Station oder zur Autobahn geht. Als soziale Wesen lernen wir ständig voneinander und orientieren uns an anderen, weil wir sowohl auf Bestätigung als auch auf Inspiration angewiesen sind. Doch das ist nicht alles.
Die Blickrichtung und das Zeigen sind offensichtlich. Viel subtiler, aber genauso wirkungsvoll ist, dass sich die eigene Haltung zu einem Thema überträgt. Ob Sie es wollen oder nicht. Das kennen Sie sicher aus Besprechungen. Sie können schnell wahrnehmen, ob der Sprechende zu seinen Aussagen steht oder nicht. Diese Übertragung von Emotionen ist eine „Gefühlsansteckung“.
Diese Ansteckung ist in beiden Richtungen möglich. Sind Sie mit miesepetrigen Menschen zusammen, kann sich das auf Ihre Stimmung übertragen. Wenn Sie etwas neu lernen und es gut läuft, Sie etwas verstanden haben, einen Ablauf nachvollziehen können, dann fühlt sich das so gut an, dass Sie sogar mehr davon haben wollen. Ihr Gehirn schüttet Dopamin aus, das fühlt sich gut an und Sie wollen mehr davon. Diese gute Stimmung überträgt sich hoffentlich ebenso auf die Kollegen und motiviert diese, ebenfalls weiter zu lernen. Entscheidend für die Dopaminausschüttung dafür ist allerdings die Ausgewogenheit. Garant für Lernfrust sind entweder Überforderung oder Unterforderung.
Ich mache jeden Tag für ein paar Minuten ein Gleichgewichtstraining. Die Übung ist identisch, das Gefühl der Balance interessanterweise sehr unterschiedlich. So ähnlich ist es mit dem Lernen und mit der Motivation. Die richtige und passende Balance zu finden und zu halten, Anforderung und die eigene Erwartung immer wieder neu auszubalancieren, das ist jedes Mal wenig anders. Eine Unterforderung demotiviert. Eine zeitliche oder inhaltliche Überforderung erstickt den Lernwillen ebenso. Was davon können Sie selbst bestimmen oder mit beeinflussen?
Wie steht es um Ihre Motivation, sich mit neuen Themen zu befassen oder Ihre Einstellung zu einer Sache zu hinterfragen? Wenn es die Erwartung von aussen ist und es schwierig oder zäh wird, kippt sie ganz schnell. Wie gehen Sie in einem solchen Fall mit sich selbst um, wenn es nicht auf Anhieb oder auch im dritten Anlauf nicht klappt? Ist Weitermachen jetzt eine Option? Das kann anstrengend werden.

Mit zu leichten Aufgaben und Anforderungen gibt es aus Sicht des Gehirns keinen Grund zur Belohnung. Zu schwer darf es auch nicht sein. Die Balance beim Lernen besteht darin, mit einer positiven Erwartung („Das bekomme ich hin!“) auf ein Ziel „Das will ich erreichen!“ hinzuarbeiten.
Der ideale Lernzustand. Wenn Sie oder andere zu viel erwarten, was Sie gar nicht leisten können, wird Anti-Dopamin ausgeschüttet und Sie erleben Frust und sind schneller erschöpft. Bei zu viel Druck und Anpassung wird die eigene Performance etwa 20 Minuten gut aufrecht erhalten, um dann kontinuierlich abzusacken, so Franca Parianen.
Wenn etwas gut klappt, dann wollen Sie mehr davon! Deswegen ist die Einteilung des Stoffes oder der Lektionen ja so entscheidend beim Selbstlernen. Denn die eigene, intrinsische Motivation kann sich regenerieren. Bei der Motivation von aussen ist das nicht so. Sie brauchen mehr Geld oder mehr Anerkennung, um irgendwie dranzubleiben.
Wenn die Anforderungen gut ausgewogen sind, werden Dopamin und Endorphine ausgeschüttet und Sie freuen sich sogar auf die nächste Herausforderung. Diese gehen Sie mit positiver Erwartung an. Gerne wollen Sie andere daran teilhaben lassen. Ganz selbstverständlich ergibt sich daraus der Austausch unter Kollegen. Diese lernen wiederum von Ihnen und umgekehrt. So sieht das Lernen der Zukunft aus, denn einer allein kann nicht alles wissen und können. Gut sind wir nur in der Gemeinschaft. Diese braucht als Grundgefühl das Vertrauen. Ohne dies trauen Sie isch nicht, auch mal Fehelr zu machen. Die gehören zum Lernen immer mit dazu.
In der digitalen Welt klappt das mit der sozialen Interaktion leider nicht mehr so gut. Sie sehen nicht, wie es anderen geht oder wie andere reagieren. Das Spiegeln, was schon Säuglinge können, nämlich auf die Mimik des Gegenüber reagieren, fällt hier aus. Gerade deswegen sind soziale Kompetenzen in der digitalen Welt enorm wichtig. Zwischentöne wahrzunehmen, statt davon auszugehen zu wissen, was der andere meint. Dazu gehört ebenso, die eigenen Gefühle in ihrem ganzen Spektrum überhaupt wahrzunehmen und in der Lage zu sein, angemessen damit umzugehen. Sie zu artikulieren oder zu regulieren. Das ist übrigens keine Sache von Erwachsenen, sondern das können schon Kinder im Kindergarten lernen! wenn das für Sie interessant ist, aus dem Modellprojekt des znl (Zentrum für Neurowissenschaft und Lernen) in Ulm ist jetzt eine Akademie entstanden: www.znl-emil.de.
Ohne diese Kompetenz neigen Menschen dazu, ihre Gefühle lieber auszublenden. Sie machen sich zum Beispiel weniger die Mühe, genau zuzuhören. Selbstüberschätzung auf der einen Seite und Anpassung an die allgemeine Meinung auf der anderen Seite sind mögliche und fatale Folgen.
Lernen und Veränderung gehen Hand in Hand. Wie schnell lernen Sie und wie gut kommen Sie mit Veränderungen zurecht? Die Veränderungskompetenz ist neben dem Lernen das, was neben den digitalen Kompetenzen die Zukunft entscheidend mit bestimmen wird. Das hat Dirk Röhrborn, Mittelstands-Sprecher der Bitkom e.V., in seinem Vortrag thematisiert.
Beim Stichwort Lebenslanges Lernen nicken zwar die die meisten Menschen: „Ja, klar, das ist wichtig und wohl notwendig.“ Aber, laut Röhrborn, haben nur 4 von 10 Firmen überhaupt eine Strategie dazu. 78% der Unternehmen sind sich bewusst, dass digitale Kompetenzen wichtig sind, aber im Alltag bleibt das oft auf der Strecke. Ein weiteres Vorurteil sei, dass man die älteren und erfahrenen Mitarbeiter sowieso nicht mehr ins Boot bekommt. Was ein großer Irrtum und ganz nebenbei eine Missachtung von Ressourcen sei, so Röhrborn. Lernen ist uns angeboren und es hört auch mit einem bestimmten Alter oder einer Erfahrung nicht auf. Es verändert sich. Um arbeitsfähig zu bleiben, ist eine permanente Anpassung und damit Veränderungsbereitschaft notwendig. Auch diese ist übrigens lernbar!
Für was lohnt sich der Aufwand? Im Vortrag von Julien Boppert wurde das sehr übersichtlich dargestellt: Lernen brauchen wir für Neues, um vorhandenes Wissen oder Kompetenzen zu vertiefen, um das wiederum nicht nur zu wissen, sondern auch um es anzuwenden und vor allem dazu, um Probleme zu lösen. Das wiederum führt zu neuen Veränderungen. Dieses Lernen auf den verschiedenen Ebenen wird zukünftig viel mehr auf der Eigeninitiative basieren. Mitarbeiter sehen, was ihnen an Wissen oder Kompetenzen fehlt und eignen sich diese an.
Veränderung geht nur mit Anpassung und dafür ist Lernen die Voraussetzung. Es gelingt in Eigeninitiative und selbstorganisiert, wenn das Vertrauen in die eigenen Kompetenzen und das Zutrauen von aussen vorhanden ist. Ein zeitlicher und im wahrsten Sinne des Wortes ein realer Rückzugsraum ist hilfreich. Doch da sollte Lernen nicht stehen oder steckenbleiben. Sondern es sollte selbstverständlich weitergehen, indem die Ergebnisse mit Kollegen geteilt, ins Intranet gestellt und in Lerngruppen diskutiert wird. Die diesjährige Learntec bot eine überaus angenehme Atmosphäre, um zu pausieren, sich auszutauschen und den Input sacken zu lassen.
Auf all diese Fragen gibt es keine perfekten und schnell erfolgreich umsetzbare Antworten. Doch viele Ideen und Anregungen dazu, was Sie und Ihre Kollegen an ergänzenden Kompetenzen brauchen, um selbstorganisiert und gelingend zu lernen. Damit Dopamin ausgeschüttet wird und Sie motiviert weiterlernen und dranbleiben.
Sprechen wir darüber! Gerne nehme ich mir die Zeit, um mit Ihnen in einen Austausch zu kommen.
Wie oft haben Sie schon versucht, eine Gewohnheit zu verändern und es ist Ihnen auch gelungen? Also auf Dauer gelungen? Ich vermute mal, dass die Quote des wieder-in-das-alte-Muster-zurückfallen höher ist als die Quote des Gelingens. Übrigens liegt die übliche Erfolgsquote bei dem Verändern von Gewohnheiten bei mageren 8%! Oder anders herum, in 92% aller Fälle gelingt die Veränderung des Gewohnten nicht. Woran liegt das bloss?
Gerade der Jahresbeginn ist oft der Anlass, etwas anders machen zu wollen. In der Hitliste der Neujahrsvorsätze sind mehr Sport und Gesundheit immer unter den ersten 5. Doch viele fangen erst gar nicht mit etwas Neuem an. „Klappt ja doch nicht!“ Und wer möchte schon wissentlich Frust erleben? Dann lässt man es lieber gleich so, wie es ist.
Laut dieser Statistik sind 37 % mit guten Vorsätzen in das Jahr gestartet, die Hälfte, das sind 18,5%, hat sich mehr oder weniger lange darangehalten. Die anderen haben ihr Vorhaben nicht umgesetzt. Da leidet natürlich das Selbstwertgefühl. Sie kennen das sicherlich auch. Wenn Ihnen etwas, was Sie tun wollten, nicht gelungen ist. Bei der nächsten Gelegenheit kann es sein, dass Sie sich das, was Sie tun wollen, gar nicht mehr zutrauen. Das wäre echt schade! Aber warum ist es bloß so schwierig, etwas zu verändern?
Das Verändern von Gewohnheiten beginnt zuerst im Kopf. Und zwar im Gehirn. Doch viele Menschen – das erlebe ich ganz oft in meiner Praxis – wissen gar nicht, wie Ihr Gehirn ‚tickt‘ und sie machen es sich unnötig schwer. Wer gegen die Arbeitsweise seines Gehirns antritt, verbraucht nicht nur unnötig viel Energie, sondern die Veränderungen gelingen oft nicht. Denn was das betrifft, ist unser Gehirn ziemlich träge. Es sei denn, Sie sind schwer verliebt. Oder Ihnen brennt etwas unter den Nägeln und es geht gar nicht mehr anders.
In den meisten anderen Fällen ist es sinnvoll, wenn Sie die Arbeitsweise und damit auch die Trägheit Ihres Gehirns besser kennen und nutzen. So stehen Sie sich nicht selbst im Weg, sondern finden Wege, wie Sie neue Gewohnheiten etablieren.
Etwa 45% unseres Tuns basiert auf Gewohnheiten. Unser Gehirn liebt und braucht Gewohnheiten, denn sie verbrauchen wenig Energie. Routinen und wiederkehrende Abläufe werden zu einer Gewohnheit, an die wir nicht mehr bewusst denken müssen. Das ist tief in unserem Gehirn verankert (in den sogenannten Basalganglien). Das ist der Energiesparmodus. Damit befinden Sie sich in Ihrer Komfortzone. Das ist das, was Sie kennen und wo Sie sich auskennen. Eben die Gewohnheiten.
Für all die Situationen, in denen Sie aufmerksam sind oder Entscheidungen treffen müssen, zuhören oder etwas planen, brauchen Sie einen anderen Bereich, das ist der hinter Ihrer Stirn (der präfrontale Kortex). Der verbraucht viel Energie und ist nach einer Weile einfach ausgepowert. Dieser Bereich steht übrigens auch für die Willensstärke und Ausdauer.
Gewohnheiten und Routinen sind wie Autobahnen in Ihrem Gehirn. Es läuft schnell und reibungslos. Wenn Sie hier etwas verändern wollen, ist es so, wie wenn Sie auf einer Autobahn, auf der Sie gerade zügig unterwegs sind, plötzlich die Ankündigung einer Baustelle sehen. Sie würden verständlicherweise lieber weiterfahren als im Stau zu stehen. So geht es unserem Gehirn auch. Gewohnheiten sind wie 6-spurige Autobahnen. Das sind dicke Nervenstränge, über die die Impulse echt schnell unterwegs sind.
Es ist leichter, neben der Autobahn nach und nach einen neuen Weg zu bauen, der den Verkehr auf der Autobahn nicht behindert. Nach und nach wird der Weg breiter und Sie können ihn alternativ zur Autobahn nutzen. In Ihrem Gehirn bilden sich dazu neue Verknüpfungen. Das allerdings geht nicht von heute auf morgen, sondern braucht etwas Geduld. Das geht am besten mit kleinen Schritten und stetigen Wiederholungen.
Neue Wege im Gehirn zu bauen klappt am besten mit neuen kleinen Gewohnheiten. Also keine Großbaustelle, sondern kleine Schritte, die wenig Energie verbrauchen. Denn das Gehirn ist ein Energiesparer und Sie kennen das: bei Veränderungen gibt es einen inneren Widerstand. Sie wollen, aber die Komfortzone des Gewohnten will doch nicht. Wenn Sie mehr Sport machen möchten, dann fangen Sie an, jeden Tag einmal für ein Stockwerk Treppen zu steigen anstatt den Fahrstuhl zu nehmen. Mehr nicht, aber das jeden Tag einmal. Das ist eine Mini-Gewohnheit.

Neue Gewohnheiten brauchen neue Verknüpfungen
Wenn Sie joggen gehen wollen, fangen Sie damit an, dass Sie Ihre Schuhe in den Flur stellen. Am nächsten Tag können Sie sie anziehen und mal vor die Tür gehen. Mehr nicht. Am Folgetag vielleicht bis zum Briefkasten, aber nicht mehr. Sie könnten auch bis zum Fitnessstudio gehen und dann wieder umkehren. Mehr nicht. Sie gehen damit den Weg des geringsten Widerstands, erleben sich selbst gleichzeitig als selbstwirksam!
Eine kleine Gleichgewichtsübung beim Zähneputzen, das tun Sie ja sowieso. Oder Sie lernen jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit eine Vokabel. Oder Sie machen jeden Tag eine kleine Achtsamkeits- oder Entspannungsübung von einer Minute.
Was ist Ihre Idee, die klein ist und sich ohne Aufwand ausführen lässt? Etwas, was Sie tatsächlich jeden Tag tun können? Diese Mini-Aktivitäten haben den Charme, dass sie wenig Überwindung oder Motivation erfordern. Auf Dauer wird tatsächlich eine Gewohnheit daraus. Diese wiederum bedeutet für Ihr Gehirn einen geringeren Energieverbrauch und wird sogar zu einem Teil Ihrer Komfortzone!
Große Vorhaben – jede Woche dreimal joggen gehen, mindestens 30 Minuten – erfordern einen hohen Energieaufwand. Oder eine richtig gute Entspannungstechnik erlernen, alle zwei Tage 20 Minuten. Zuerst einmal geht es ja darum, im vollen Tages- und Wochenablauf überhaupt diese Zeit zu finden, um joggen zu gehen oder sich zu entspannen. Wenn Sie nach Hause kommen und müde sind, erfordert es einen ziemlichen Energieaufwand, sich zu etwas Neuem zu überwinden. Ihr Körper ist das gar nicht gewohnt und will viel lieber auf das Sofa. Schnell finden Sie ganz viele Gründe, warum es doch nicht geht. Zumindest aktuell nicht. Vielleicht morgen. Oder übermorgen. Dann, wenn schönes Wetter ist, der Tag nicht so anstrengend war. Und so weiter.
Gewohnheiten brauchen Wiederholung, bis sie stabil sind. Ich werde oft gefragt, wie viele Wiederholungen denn nun notwendig sind. Hier gibt es keine feste Messgröße. Es kommt darauf an, ob es um eine größere oder kleinere Veränderung geht. Im Durchschnitt brauchen Sie etwa 66 Wiederholungen oder 66 Tage, bis sich eine neue Gewohnheit etabliert hat, die dann kaum noch Energie erfordert und woran sich der Körper und Ihr Denken auch gewöhnt hat. Es kann durchaus kürzer oder wesentlich länger sein.
Wenn Sie gestresst sind, fallen Sie eher in die üblichen unerwünschten Angewohnheiten zurück. Ihre Energie ist sowieso schon stark reduziert, denn im Stress verbrauchen Sie entsprechend viel davon. Wenn Sie jetzt noch zu entscheiden haben, ob Sie nach Feierabend eine Runde joggen gehen wollen oder nicht, werden Sie es eher nicht tun. Doch gleichzeitig ärgern Sie sich über sich selbst, weil Sie ja vorhatten, etwas anders zu machen. In einem solchen Frust kann es sogar sein, dass der Griff zur Schokolade oder zur Chipstüte (oder was es bei Ihnen auch immer ist) schon vorprogrammiert. Das ist – was Ihr ursprüngliches Ziel betrifft – ziemlich kontraproduktiv. Erst recht dann, wenn Sie abnehmen wollten.
Wichtig ist es hier, auch die kleinen Schritte und Erfolge zu sehen und sich wirklich zu belohnen und diese nicht aufzuschieben, weil Sie Ihr großes Ziel noch nicht erreicht haben. Sich selbst zu beschummeln ist keine clevere Strategie.
Ob es Ihnen bewusst ist oder nicht, eine Gewohnheit folgt immer einem bestimmten Muster.
Im Frust oder auch aus Langeweile oder weil die Stimmung im Keller ist, greifen Sie zur Schokolade. Es gibt also einen Auslösereiz (Stress oder Frust als Beispiel), dann die Routine (der Griff zur Schokolade) und die Belohnung (durch das Essen der Schokolade).
Wenn Sie eine solche Gewohnheit verändern wollen, ist die Preisfrage die nach dem Auslöser. Ist es Hunger oder Langeweile, das Bedürfnis nach Kontakt oder einer Pause, die man sich aber nicht gönnt? Einfach das Bedürfnis nach einer Belohnung, weil die Aufgaben echt fordernd sind? Welches Bedürfnis steckt tatsächlich dahinter? Das bedarf dann einer genauen Analyse, die Sie durchaus selbst durchführen können. Selbstbeobachtung und ein bisschen Experimentierfreude ist dabei echt hilfreich. Sie lernen sich besser kennen und wissen nach ein paar Wochen genauer, was Sie wirklich in welcher Situation brauchen und was Ihnen tatsächlich guttut!
Manche Gewohnheiten sind leicht zu verändern. Andere Angewohnheiten sind vielschichtig und komplex. Hier dauert es länger, die Mechanismen aufzudecken, um eine passende Strategie zum Verändern von Gewohnheiten zu erarbeiten. Eine professionelle Begleitung unterstützt Sie, damit aus eingefahrenen Routinen neue hilfreiche Gewohnheiten entstehen. Zumal es mit einer Begleitung leichter ist, geduldig und ausdauernd dranzubleiben.
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