Vor kurzem habe ich in einem Restaurant gesessen und kein einziges Wort mehr herausbekommen. Aber der Reihe nach.
Ein entspannter Abend, im Frankreichurlaub, wir sind früh losgegangen, das Restaurant war noch fast leer. Mein Mann und ich sassen am Tisch – eine entspannte Atmosphäre. Die Bedienung ist gekommen und hat gefragt, ob wir die Karte lieber auf Französisch oder auf Englisch hätten. Mein Französisch ist – sagen wir es freundlich – noch sehr ausbaufähig, mein Englisch deutlich besser. Also habe ich Englisch gewählt. So weit, so gut.
Aber dann, bei der Bestellung, war nichts mehr da. Das Französisch im Ohr, Englisch auf dem Papier, und irgendwo zwischen diesen beiden Sprachen hat sich in meinem Gehirn ein Knoten gebildet. Gefühlte dreißig Sekunden lang sass ich da und mir fiel gar nichts mehr ein. Kennst du so etwas?
In meinem Kopf lief dabei die ganze Zeit nur der Gedanke: „Mist, ich kann es doch, warum jetzt nicht?“ Die Bedienung hat freundlich gelächelt und gewartet, so etwas erlebt sie bestimmt öfters.
Dann habe ich einmal tief durchgeatmet und wieder auf die Karte geschaut. Die lag ja auf Englisch vor mir. Und auf einmal ging es wieder.
Und was habe ich bestellt? Nichts, was in der Karte stand, sondern ein Überraschungsmenü!
Ich weiß es doch – warum ausgerechnet jetzt nicht?
Ich arbeite seit über zwanzig Jahren als Trainerin zu Konzentration, Gedächtnis und Lernen. Trotzdem hat es mich an diesem Abend genauso erwischt wie jeden anderen auch. Das ist übrigens die Erfahrung, die ich in meinen Seminaren ebenfalls wieder erlebe: Eine Denkblockade fragt nicht danach, wie gut jemand im Thema unterwegs ist.
Das Verrückte an meinem Abend in Frankreich war, dass mir niemand Druck gemacht hat – höchstens ich selbst. Kein Termin, kein Teilnehmer, kein Vortrag vor einem großen Publikum. Nur mein eigener Anspruch, es gut hinzubekommen.
Was im Gehirn passiert, wenn der Druck steigt
Unter Druck verengt sich unser Blick. Das Gehirn sucht dann nach Sicherheit, für andere Möglichkeiten hat es in genau dem Augenblick keine Kapazität. Es schaltet in einen Schutzmodus – und in diesem Modus fällt niemandem etwas Cleveres ein.
Stattdessen stellt sich unser Gehirn in jeder Situation die Frage: Darf ich hier Fehler machen? Fühle ich mich angenommen? Muss ich mich schützen?
Nervenzellen ohne Kontakt zueinander
Fällt die Antwort ungünstig aus, verschiebt sich die ganze Aufmerksamkeit weg von der Aufgabe und hin zur eigenen Absicherung.
Das gilt in einem französischen Restaurant genauso wie in einem Meeting. Wie stark Stimmungen dabei zwischen Menschen weiter gegeben werden, habe ich an anderer Stelle beschrieben – nachzulesen in meinem Artikel über Emotionen, die ansteckend sind.
Positive Gefühle weiten den Blick (und das Denken)
Umgekehrt funktioniert es genauso. Hoffnung, Neugier, Dankbarkeit und Verbundenheit – das klingt zwar nach Wohlfühlen, ist aber die Voraussetzung dafür, dass unser Gehirn gut arbeiten, kreativ sein kann und Probleme lösen kann. Wer sich sicher fühlt, denkt in mehr Richtungen und kann die Perspektive leichter ändern.
Für Teilnehmer in Meetings wäre die Beobachtung interessant, welche Ergebnisse oder Ideen unter welcher Atmosphäre stattfinden. Denn diese entscheidet mit darüber, ob jemand seine Idee ausspricht oder sie sicherheitshalber lieber für sich behält. Die Ideen sind da, werden aber zurückgehalten oder schlichtweg blockiert.
Was bei einer Denkblockade hilft
Ein Blackout bedeuet nicht, dass du etwas nicht kannst. Er zeigt, dass dein Gehirn gerade mit etwas anderem beschäftigt ist
Der schnellste Weg zurück führt über den Körper: ein- oder zweimal tief durchatmen und dann noch einmal ansetzen
Such dir einen Anker, der schon da ist. Bei mir war es die Karte auf dem Tisch
Erinnere dich an eine Situation, in der du unsicher warst und es trotzdem hinbekommen hast. Das bringt dein Gehirn wieder auf eine andere Spur
Nähe, Wertschätzung und ein freundliches Gesicht gegenüber senken den Stresspegel messbar. Humor ist in solchen und vielen anderen Situationen unschätzbar wertvoll. Den hatte die Bedienung übrigens auch!
Kleine Übungen für den Alltag, mit denen du deine eigene Anspannung herunterfahren kannst, findest du in meinem Beitrag zu praktischen Wegen der Selbstregulation.
Was tun, wenn die Ablenkung von außen kommt?
In Frankreich hat es dreißig Sekunden gedauert, bis der Knoten sich gelöst hatte. Wenn du dich am Schreibtisch in eine komplexe Aufgabe hineingedacht hast, brauchst du 5 bis 8 Minuten. Ausgerechnet in diesen Minuten ist die Ablenkungsgefahr am größten. Wenn du dann richtig tief im Gedankenfluss bist und hier herausgerissen wirst, dauert es doppelt so lange, bis du wieder ganz drin bist.
Besonders unterschätzt wird dabei der Geräuschpegel – etwa im Großraumbüro. Ein aufpoppendes Fenster nimmst du im Augenwinkel wahr und schiebst es leichter gedanklich beiseite. Ein Telefonat zwei Schreibtische weiter kannst du nicht ausblenden, dein Gehirn hört mit, ob du willst oder nicht.
Darüber habe ich ausführlich mit dem Unternehmermagazin impulse gesprochen:
Darin geht es unter anderem darum, wie du dein eigenes Konzentrationshoch findest und was du im Team klären solltest, damit alle konzentriert und produktiv arbeiten können.
Mit den Gedanken schon wieder ganz woanders?
Der innere Druck und die äußere Ablenkung führen zum selben Ergebnis: Dein Kopf ist nicht da, wo du ihn brauchst. Genau darum geht es in meinem Seminar für Mitarbeitende und Teams. Wir arbeiten daran,
wie du Aufgaben so legst, dass sie zu deiner Leistungskurve passen,
wie du Störreize im Arbeitsalltag reduzierst, ohne dich komplett abzuschotten,
und wie dein Gedächtnis wieder mitspielt, statt dich im Stich zu lassen.
Im Anschluss begleite ich dich über mehrere Wochen auf meiner Lernplattform weiter, damit das Gelernte und die neuen Gewohnheiten nicht verpufft, sondern im Alltag ankommen.
https://margit-reinhardt.de/wp-content/uploads/2026/08/Knoten_Im_Kopf_2.jpg10192098Margit ReinhardtMargit Reinhardt2026-08-31 07:14:022026-08-30 16:08:36Denkblockade: Wenn dir unter Druck plötzlich nichts mehr einfällt
Bist du diesen Sommer schon auf einem Open-Air-Konzert gewesen? Ich finde, die Atmosphäre hat etwas ganz Besonderes. Das wirkt auf unsere Stimmung und meistens sind wir nach so einem Konzert beschwingt und voller Energie. Darum geht es heute: um die Musik und die Stimmung, die durch sie ausgelöst wird und um die Ansteckung von Emotionen.
Der Sommerabend im Schlosshof
Ein lauer Sommerabend in einem Schlosshof mit einem erfrischenden Wind. Freudige und gespannte Erwartung auf das Konzert, das demnächst beginnt. Besucher schauen nach ihren Plätzen, holen sich noch was zum Trinken, es ist alles sehr relaxt. Jeder freut sich auf den Abend, den Musiker und die Band. Ich komme mit der Sitznachbarin ins Gespräch. Wie es der Zufall will, studierte ihre Tochter in Karlsruhe, meinem Wohnort.
Ein erste kleine Verbundenheit durch die Gemeinsamkeit. Auf Konzerten erleben wir gemeinsam einen Abend – das schafft Verbundenheit – eben durch die Musik.
Aber da kommt noch mehr!
Als es langsam dunkler wurde, waren die Arkaden unterschiedlich farbig ausgeleuchtet. Das Konzert beginnt und es ist – durch die BigBand – wirklich ein Rundum-Gesamterlebnis. Genau das erinnert mich an ein ähnliches und doch ganz anderes Ereignis.
Der Vortrag, der mich so nachhaltig beeindruckt hat
Im Mai war ich bei einem Vortrag auf der LEARNTEC. Die Referentin war Prof. Dr. Michaela Brohm-Badry und ihr Vortrag hatte den Titel: „And I think to myself. Impulse aus der Positiven Psychologie und den Neurowissenschaften“. Ein Vortrag, der mich nicht nur inhaltlich, sondern durch die Botschaft und den Schluß sehr beeindruckt hat. Denn am Ende bekam ich Gänsehaut.
Der Vortragstitel bezieht sich auf den bekannten Song von Louis Armstrong – „What a Wonderful World“.
Aber der Reihe nach. Worum ging es? Um Halt, Orientierung, Verbundenheit und Lebensfreude. Wo können wir selbst etwas bewirken? Und das ist oft viel mehr, als es auf den ersten Blick erscheint.
Unsere Erwartung beeinflusst das, was wir erleben. Gehe ich etwa mit Vorfreude auf ein Konzert oder mit Skepsis? Das wirkt sich direkt auf unser Erleben aus. Es ist immer wieder frappierend, wie sich Emotionen zwischen Menschen übertragen können. Bei einem Konzert, für das jeder Eintritt zahlt, ist es anderes als im täglichen Arbeitsalltag. Genau dazu brachte Brohm-Badry ein eindrückliches Beispiel aus ihrer Zeit als Lehrerin. Morgens, bevor der Unterricht losging, standen die Kollegen vor dem Vertretungsplan. Ein Kollege konnte mit seiner richtig schlechten Stimmung mit Blick auf diesen Plan tatsächlich das ganze Kollegium infizieren. Jeder ging mit dieser plötzlich miesen Laune in den Unterricht.
Warum schlechte Laune ansteckend ist
Kennst du das? Wenn du einen Raum betrittst, spürst du sofort, ob dort Anspannung, dicke Luft oder ob alles ganz normal ist. Bei einer angespannten Stimmung bist du eher vorsichtig und lässt dich vielleicht sogar anstecken. Beobachte doch mal im Alltag, wie schnell sich eine schlechte Stimmung oder Anspannung und Stress verbreiten können. Emotionen sind ansteckend, weil unsere Gehirn immer nach Verbundenheit sucht. Es ist eher in einer schlechten Laune verbunden als dass es sich ausgeschlossen fühlt.
Leider haben negative Emotionen viel mehr Gewicht als positive. Sie bleiben kleben. Nagen in Gedanken, treiben Schleifen und sind erstaunlich resistent. Es ist möglich – aber nicht so einfach – sich wieder daraus zu befreien. Was kann helfen?
Achte auf deine Gedanken!
Die Referentin brachte dazu viele Beispiele. Einige davon – du kennst sie so oder ähnlich bestimmt auch – sind diese hier:
Das bringt doch eh nichts.
Das geht sowieso schief.
Das macht mich fertig.
So einfach ist das bestimmt nicht.
Da kann man nichts machen!
Das nimmt Energie, macht passiv und ganz schnell fühlt man sich hilflos oder sogar der Situation ausgeliefert.
Kein angenehmes Gefühl. Im Team kann sich so etwas schnell verbreiten und alle sind nur noch am Jammern.
Solche Gedankenschleifen sind durchaus hartnäckig und es fühlt sich an, als ob unser Gehirn nur noch diesen einen Gedankenweg kennt.
Selbstwirksamkeit bedeutet, dass wir trotzdem selbst wirksam werden können.
Und das ist der entscheidende Gedanke: genau diese Entscheidung zu treffen.
Will ich in dieser Schleife bleiben oder nicht? Fühlt es sich gut und hilfreich an? Oder gibt es noch andere Optionen?
Denn mit so einem negativen Gedankenwust sind wir schnell gestresst. Im Stress können wir nicht kreativ oder um die Ecke denken. Unser Immunsystem reagiert auf Stress. Unser Gehirn (und damit wir selbst) sucht nach noch mehr Situationen, wo etwas nicht so lief wie erwartet. Wo es nicht einfach war. Wo etwas schief ging.
Den Schalter umlegen!
Diesen Satz habe ich vor kurzem von einer Teilnehmerin gehört. ‚Ich möchte den Schalter einfach umlegen.‘ Das geht. Es braucht die Entscheidung und das Bewusstsein, dass unser Gehirn zwar Gedanken liefert, wir sie aber nicht immer alle annehmen müssen. Sondern sie verändern können.
Es setzt ein Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten voraus. Den Blick darauf lenken, was schon alles gelungen ist.
Helfen können Gedanken an genau solche Situationen, in denen etwas gut geklappt hat. Situationen, wo du dir vorher unsicher warst und es doch hinbekommen hast. Das bringt dein Gehirn und die damit verbundene Emotion wieder auf eine andere Spur.
Was wir leicht(er) ändern können, sind die Gedanken, die unser Gehirn produziert. Sieh die Gedanken doch mal als Vorschläge deines Gehirns, wie die eine Situation bewerten kannst. Du kannst die Gedanken annehmen oder sie bewusst verändern. Du wirst dich anders verhalten können.
Musiker und die Techniker neben und hinter der Bühne kennen das auf jeden Fall. Denn auch hier gibt es immer wieder Situationen, in denen etwas überhaupt nicht so läuft wie vorgestellt. Ein Musiker trifft den falschen Ton, ein Mikrofon fällt aus. Ein Gewitter naht – was nun? Abbrechen, pausieren oder etwas ganz anderes?
Ganz so einfach lässt sich ein Schalter zwar umlegen, aber die Emotion, der Ärger oder der Frust bleiben noch im Hintergrund. Helfen kann auf jeden Fall, den Blick immer wieder sanft auf das zu lenken, was gelingt. Das können Kleinigkeiten sein, Erinnerungen an schöne Momente. Etwa ein Konzert mit dem Song, bei dem alle mitgesungen haben. Oder alle im Takt mit dem Fuß wippen oder etwas ganz anderes.
Dabei macht es einen großen Unterschied, ob wir die Musik alleine hören oder in einer Konzertbesuchergemeinschaft sind. Unser Gehirn ist ein soziales Organ, es braucht diese Verbindungen zu anderen Menschen. Musik aktiviert unser Belohnungssystem, macht dadurch gute Laune und aktiviert sogar unsere Motivation. Durch Musik sind viele Bereiche unseres Gehirns aktiv. Wenn Menschen gemeinsam Musik hören können sich die Gehirne sogar synchronisieren,
Die Kraft der Musik können wir aktiv nutzen. In der Pause den Lieblingssong hören. Oder in Gedanken die Melodie summen.
Das ist das Gemeinschaftsgefühl, was mich auf Konzerten so fasziniert. Obwohl hier sicherlich ganz unterschiedliche Menschen zusammen sind.
Das war mein Gänsehaut-Moment
Das Besondere an dem Vortrag auf der LEARNTEC war schließlich der Abschluss. Michaela Brohm-Badry schaffte es, uns Teilnehmer zu motivieren, gemeinsam zu singen. Das ist auf Konzerten eher der Fall. Aber auf einem Business-Vortrag? Das hört sich doch schon etwas schräg an, oder?
Vor allem, was wir gesungen haben:
„And I think to myself, what a wonderful world“ von Louis Armstrong. Der Text wurde auf der Leinwand einblendet, die Melodie kennt jeder. 200 Teilnehmer sangen mit. Das verursachte Gänsehaut, weil es mich so sehr berührt hat. Überraschendes, gemeinsames Singen und der Inhalt: Eine wunderbare Welt – definitiv nicht überall, aber vieles ist machbar. Mehr als wir es oft für möglich halten.
Wenn ich später von diesem Erlebnis erzählt habe (und das habe ich häufiger getan), bekam ich immer wieder diese Gänsehaut. Auch jetzt, wenn ich darüber schreibe. Gemeinsames Singen geht noch tiefer als ’nur‘ Musik zu hören. Vor allem nach so einem Vortrag über Resilienz, das Gehirn, unsere Gedanken, über Hoffnung und Zuversicht.
Musik weckt nicht nur Emotionen, sie synchronisiert sie zwischen Menschen. Gemeinsames Hören lässt Gehirne sich angleichen, gemeinsames Singen geht noch tiefer.
Wer selbst im Chor singt, kennt das sicherlich.
Was ebenfalls nicht zu unterschätzen ist: Der Raum und die Atmosphäre um uns herum, entscheiden mit, wie leicht wir uns auf eine Stimmung einlassen oder hineingezogen werden.
Das Fazit
Emotionen sind ansteckend – wer einen Raum betritt, spürt sofort, ob dort Anspannung oder Leichtigkeit herrscht
Ebenso in der Kommunikation – bereits ein Lächeln macht den Unterschied
Als Führungskraft gibst du die Stimmung eines Raums mit vor – das ist keine Nebensache!
Atmosphäre ist mehr als ein Rahmen, sie ist Teil der Wahrnehmung – das gilt für Konzerte genauso wie für Meetings
Wir wollen uns (positiv) verbunden fühlen – wie kann dieses Gefühl im Team immer wieder gestärkt werden?
Einstellung und Stimmung wirken ebenso auf das Lernen – manchmal mehr als jede Lerntechnik
Jetzt bin ich neugierig: Wo hattest du zuletzt dieses Gänsehautgefühl – bei einem Konzert oder ganz woanders? Schreib es mir gern zurück, ich freue mich auf jede Antwort!
Und falls du gerade selbst an deiner Stimmung und den damit verbundenen Gedanken arbeiten möchtest: In meinem Artikel zu praktischen Wegen der Selbstregulation findest du kleine Übungen für den Alltag – eine davon hat sogar mit Musik zu tun. https://margit-reinhardt.de/praktische-wege-zur-selbstregulation/
https://margit-reinhardt.de/wp-content/uploads/2026/08/Open_Air_Konzert.jpg8712098Margit ReinhardtMargit Reinhardt2026-08-07 09:29:432026-08-25 14:12:42Mein Gänsehaut-Moment, jedes Mal, wenn ich davon erzähle
20 Minuten Lernen pro Woche. Das ist offenbar die Realität in vielen Unternehmen – obwohl gleichzeitig 60 Prozent der Mitarbeitenden Angst haben, den Anschluss zu verlieren. Irgendwie passt das doch nicht zusammen, oder?
Ich war drei Tage auf der Learntec, einer der größten Fachmessen und Kongresse rund um digitales Lernen. Viele Vorträge, viele Gespräche, viele Perspektiven – und ein roter Faden, der sich – neben KI – durch fast alles gezogen hat: das bisherige Lernen im beruflichen Alltag passt nicht mehr zu dem Veränderungstempo, es muss sich ebenfalls verändern.
KI ist und bleibt ein Thema – hier liegt mein Fokus allerdings auf dem Menschen, der lernt.
Dazu teile ich zwei unterschiedlichen Perspektiven von dem, was ich mitgenommen habe: einmal für Mitarbeitende, die selbst besser lernen wollen, und für die, die Lernen im Unternehmen gestalten und fördern.
Wenn über Lernen gesprochen wird, erlebe ich bei meinen Teilnehmenden durchaus gemischte Gefühle. Lernen hat ein zweigeteiltes Image. Auf der einen Seite ist es ein ‚Muss’ – ob es eine neue Software ist oder ob es um Arbeitsschutz oder Regularien geht – allesamt Pflichtthemen. Auf der anderen Seite kann es mit Neugier und Entdeckerfreude verbunden sein – dies geschieht eher im privaten Bereich. In einer Diskussion kam die Frage auf, ob es ein passenderes Wort für ‚Lernen‘ gibt. Mir ist keines dazu eingefallen.
Lernen geschieht immer
Immer? Tatsächlich ist es so. Denn Lernen umfasst die ganze Lebensspanne – es ist nach dem Entdecken der Welt als Kind später mit der Schule verbunden und oft mit diesen Fragern:
‚Warum lerne ich das überhaupt?‘
‚Macht es Sinn?‘
‚Brauche ich das jemals?‘
Hinzu kommen die Prüfungen, die Bewertungen, der Druck. Fehler, die aufzeigen, was Lernende nicht können. Die Noten. Das alles mal mit mehr oder weniger Motivation. Gerade die Ereignisse, die mit Frust, dem Gefühl., das kriege ich nie hin, verbunden sind, prägen den Lernenden.
Wen wundert es, dass Lernen häufig hintenan gestellt wird. Obwohl es so wichtig ist.
Außerdem braucht es Zeit – wer hat die schon?
Im Arbeitsalltag kommt es deswegen oft als Letztes – wenn überhaupt. Dabei sollte es gerade jetzt, in Zeiten von KI und dem Veränderungstempo, weit vorne stehen. Kontinuierliches Lernen und Dranbleiben, dasist das Wichtigste, was Mitarbeitende – und Unternehmen – tun können. Tun sollten.
Warum das bisherige Lernen oft nicht klappt
Lange war Lernen im Beruf vor allem eines: konsumieren. Klingt zwar bequem, aber wie geht es dir im Restaurant, wenn du dein Essen nicht selbst auswählen kannst, sondern immer wieder das gleiche bekommst?
Für das Lernen bedeutet es, dass Inhalte vorgegeben und das Lerntempo oft einheitlich ist. Ich kenne den Begriff des ‚Lernens im Gleichschritt’. Jemand von außen legt die Inhalte fest, die Anwendung im Alltag bleibt oft vage. Weil – wie so oft- die Zeit für die Umsetzung fehlt. Ich weiß, das klingt jetzt sehr schwarz-weiß. Aber es ist immer noch Realität: Folien, die abgelesen werden. Aktive Mitarbeit mit Beispielen bleibt aussen vor.
Ein anderer Punkt sind aktuell die Einsparungen, häufig in der Weiterbildung. Ein oder zwei Trainingstage im Jahr, viel Input, wenig Transfer. Und danach? Weiter wie bisher. Wobei es Firmen gibt, die in Präsenz gar keine Weiterbildung mehr anbieten oder nur noch E-Learnings. Da ist es dann dem Mitarbeiter überlassen, das in den Alltag zu integrieren.
Reicht das alles aus? Es ist ja nicht so, dass die Menschen nicht wollen. Es kann am Format liegen oder der Notwendigkeit, etwas zu lernen. Oft sind Lernende ratlos – was ist in der Fülle der Möglichkeiten tatsächlich sinnvoll – wofür lohnt es sich?
Was Lernende heute brauchen:
Orientierung – Was ist wirklich relevant für mich, meine Tätigkeit?
Struktur – Wie gehe ich das an, wie plane ich es zeitlich ein?
Transfer – Wie wende ich das konkret in meiner Arbeit an?
Austausch und Reflexion – hinterfragen, reflektieren.
Wenn diese Dinge fehlen, bleibt Lernen ein Nice-to-Have – das dann doch hintenan gestellt wird. Lernen braucht Reibung, Diskussion und mehr als nur eine Perspektive, damit etwas im Kopf passiert.
Dazu habe ich einige Ideen, einmal aus der Perspektive der Lernenden und aus der Sicht der Weiterbildungsplaner.
Die Perspektive der lernenden Mitarbeiter
Klein anfangen statt auf die grosse Lernzeit warten
Viel Zeit zum Lernen – die kommt selten von alleine. Wer darauf wartet, wird nicht lernen. Besser ist es, sich regelmäßige kurze Einheiten freizuschaufeln, die in den Alltag passen. Auch 10 oder 15 Minuten täglich, konsequent genutzt, machen über Wochen einen großen Unterschied. Das ist viel besser als einen Tag pro Quartal zu lernen. Diese Inhalte verpuffen schnell, während die kleinen Einheiten konsequent an Fähigkeiten und Kompetenzen andocken und diese stärken.
Relevanz klären, bevor du loslegst
Lernmotivation entsteht, wenn klar ist, wofür gelernt wird. Nicht im Sinne von „das muss ich können“, sondern: Was wird dadurch in meiner Arbeit leichter? Was könnte ich dann besser? Diese Frage lohnt sich, bevor du mit einem neuen Thema beginnst. Besprich das am besten mit deiner Führungskraft oder mit den Kollegen im Team.
Lernhindernisse ernst nehmen
Lernerfahrungen aus der Vergangenheit, die mit dem Gefühl verbunden sind, es mal wieder nicht hinzubekommen, sind eine mächtige Lernhürde. Ebenso kann eine chronische Überlastung ein echtes Hemmnis sein. Das sind keine Ausreden, sondern für Lernende echte Hindernisse. Wer sie kennt, kann etwas tun. Eine Lernbegleitung kann dabei unterstützen, diese Muster zu erkennen und Schritt für Schritt andere Strategien zu entwickeln. Mehr dazu weiter unten.
Perspektive Unternehmen: Was sich strukturell verändern sollte
Längerfristig denken – über die Trainingstage hinaus
Ein Impuls durch ein Training ist wertvoll – aber er verpufft, wenn anschliessend keine Möglichkeit besteht, das Gelernte anzuwenden und vor allem zu vertiefen. Lernen braucht Zeit, Wiederholung und Raum für den Transfer. Das bedeutet, eine Lernkultur aufzubauen anstatt nur Trainings einzukaufen. Diese können eine Basis sein – aber sie reichen nicht aus.
Lernen sichtbar machen
Denn was nicht sichtbar ist, wird nicht wertgeschätzt. Wenn Lernen eher versteckt oder gar im Verborgenen stattfindet, bleibt es eine Randnotiz ‚Ach, die Kollegin hat ein Seminar für mentale Gesundheit besucht.‘ ‚Und?‘‚Keine Ahnung, war wohl gut.‘
Anders, wenn Teams regelmässig – etwa am Ende der Woche im Teammeetings teilen, was sie gelernt haben oder was jetzt besser läuft als die Woche davor. Das stärkt den Zusammenhalt, erzeugt Impulse, aus der wiederum neue Motivation wächst: Es lohnt sich! Und es macht sogar Spaß!
Vorhandenes Wissen nutzen
Oft ist nicht bekannt, wer im Unternehmen wie viel weiss. Dabei steckt in Teams enormes Potenzial für das Voneinander-Lernen. Wer Lernende dazu einlädt, ihr Wissen einzubringen und zu teilen, erschliesst eine Ressource, die kaum eine externe Weiterbildung leisten kann.
Das allerdings braucht Geduld, denn häufig ist noch der Glaubenssatz aktiv, dass das Teilen von Wissen eher schwächt als stärkt. Wissen als ‚Schatz‘, den Menschen für sich behalten und schützen wollen.
Zwei Formate, die enorm wirksam sind
Eine Lernbegleitung: individuell, aber zeitlich begrenzt
Eine Lernbegleitung setzt an, wo klassische Trainings aufhören. Sie kann sowohl für einzelne Mitarbeiter, aber auch für Teams, die ihre Lernkompetenzen verbessern wollen, eingesetzt werden.
Sie ist ideal für Mitarbeiter, die sich neu orientieren müssen. Das kann eine ganz andere Tätigkeit sein als bisher. Sie kann für Menschen sein, die aus dem Lernen raus sind und jetzt wieder Fuß fassen wollen. Oder für Auszubildende, die unsicher sind oder sich schnell überfordert fühlen.
Sie beginnt mit einer Analyse der persönlichen Lernsituation:
Wie geht jemand ans Lernen heran?
Was bremst?
Was hilft?
Auf dieser Basis wird individuell unterstützt – bei der Auswahl, der zeitlichen Planung, bei Hindernissen und natürlich bei der Motivation.
Typisch für eine Lernbegleitung sind Sprints: Zwischen den in der Regel monatlichen Meetings arbeiten die Teilnehmenden an selbst definierten Aufgaben. Bei den Treffen wird reflektiert, was gut lief, was schwer fiel – und wie es weitergehen soll. Das Ziel ist nicht, Inhalte zu vermitteln, sondern die Fähigkeit aufzubauen, selbstorganisiert und selbstwirksam zu lernen. Eine Lernbegleitung läuft typischerweise über einen begrenzten Zeitraum von etwa drei Monaten.
Besonders sinnvoll ist eine Lernbegleitung bei berufsbegleitenden Weiterbildungen, beim Einstieg in neue Themenfelder – etwa der Anwendung von KI – oder wenn jemand merkt, dass es mit dem Lernen einfach nicht vorangeht – obwohl der Wille vorhanden ist.
Learning Circles: gemeinsam und kontinuierlich
Ein Learning Circle bringt Menschen zusammen, die an einem gemeinsamen Thema arbeiten – regelmässig, strukturiert und mit klaren Spielregeln für das Miteinander. Das können Themen sein, die das Unternehmen bewegen: neue Technologien, veränderte Prozesse, mentale Gesundheit oder der Einsatz von KI in der Arbeit.
Learning Circles können mit oder ohne Begleitung stattfinden. Am Anfang ist eine Begleitung hilfreich, um Struktur zu geben und den Circle zu etablieren. Danach laufen gut eingespielte Circles oft eigenständig weiter.
Was Learning Circles leisten: Sie verbinden Lernen mit der Praxis, fördern den Austausch über Abteilungsgrenzen hinweg und machen Wissen im Unternehmen sichtbar und nutzbar für viele.
Mein Fazit
Lernen im Unternehmen braucht den Willen, es weit oben auf die Agenda zu setzen. Kein Format der Welt hilft, wenn Lernen im Alltag keine Zeit bekommt und keine Sichtbarkeit hat.
Positiv ist, dass es gar nicht so viel sein muss. Regelmässig, relevant, mit Transfer in die Praxis – und mit Unterstützung, wenn es hakt. Das verändert mehr als jeder Trainingstag pro Jahr.
Du möchtest Lernbegleitung in deinem Unternehmen einführen oder selbst davon profitieren?
Schreib mir – ich erkläre dir gerne, wie das konkret aussehen kann.
https://margit-reinhardt.de/wp-content/uploads/2026/05/IMG_5986-3-scaled.jpeg12001714Margit ReinhardtMargit Reinhardt2026-05-18 14:49:572026-08-25 10:59:29Lernen im beruflichen Alltag – wie es (noch) besser gelingen kann
Im letzten Blogartikel ging es um die vier Hürden, die bei Veränderungen von Gewohnheiten in der ein oder anderen Art auftauchen. Jetzt geht es ums konkrete Tun: Was tust du ganz praktisch, damit es diesmal wirklich klappt? Hier sind vier Bausteine – mit Beispielen, die du direkt auf deine Situation übertragen kannst.
Heute zeige ich dir einige Ideen, die dich unterstützen, wirklich dranzubleiben.
Nur noch mal kurz zur Erinnerung: eine Gewohnheit verändern – etwa mehr Sport, gesündere Ernährung, mehr Entspannung – braucht Ausdauer. Aber es lohnt sich!
1. Dran denken: Lass einen inneren Film ablaufen
Stell dir vor, wie du dich am Ende der 2–3 Monate verhalten wirst. Ja, so lange kann es dauern, bis eine neue Gewohnheit relativ fest verankert ist und automatisch abläuft.
Was wird sich wann und wie in deinem Alltag verändert haben? Sieh dich ganz konkret in der Situation, die du in deinem inneren Film schon erreicht hast:
Wo bist du gerade und was passiert um dich herum?
Wie agierst du dabei?
Wie ist deine Körperhaltung?
Wie sind deine Gedanken und deine Gefühle?
Als Beispiel möchte ich das Thema ‚regelmäßig kleine Pausen in den Alltag einbauen’ nehmen. Das beschäftigt meine Seminarteilnehmer immer wieder. Ob es um fitte und wache Augen bei der Bildschirmarbeit geht oder um die Konzentration. Gerade kleine Zwischendurch-Pausen werden schnell vergessen – obwohl sie so hilfreich für eine gute Produktivität sind!
Der innere Film:
‚Zum Dran-Denken habe ich mir vorgenommen, jeden Vor- und Nachmittag einmal eine kleine Pause weg vom Schreibtisch zu machen. Ich lasse mich über Outlook erinnern oder meine Kollegin macht das (das haben wir so vereinbart). Weil ich es kenne, dass mir abseits vom Schreibtisch oft gute Ideen für ein Problem kommen, verlasse ich kurz das Büro.
Ich stelle mir das gute Gefühl vor, wie es ist, wenn ich mir zwischendurch eine Pause erlaube. Das gelingt jetzt richtig gut und meine Augen und mein Kopf fühlen sich erfrischt an.‘
Rufe dir dieses Bild immer wieder vor Augen – es verankert dieses wohltuende und damit attraktive Ziel im Gehirn. Es reicht, wenn es manchmal nur für kurze Momente ist – wie ein Blitzlicht. Jedes Mal aktivierst du damit die neuen Gewohnheitsbahnen im Gehirn.
2. Wie wird dein Umfeld reagieren?
Du bist motiviert, du willst etwas verändern. Es ist sehr wahrscheinlich, dass dein Umfeld irritiert ist. Dein Verhalten ist nicht mehr so, wie es war. Das kann Widerstand oder Unverständnis hervorrufen.
Ein paar Beispiele dazu:
„Hast du nichts zu tun, dass du so entspannt aus dem Fenster guckst?“
„Also, ich kann mir diese Pausen nicht erlauben, ich habe viel zu viel zu tun!“
„Du machst es dir einfach – so relaxt möchte ich auch mal sein!“
Und sicherlich kennst du viele andere – mögliche – Aussagen. Schon meldet sich dein schlechtes Gewissen und du verzichtest selbstredend auf dein Vorhaben.
Was kannst du tun?
Kommuniziere dein neues Verhalten mit Kollegen, im Team, mit der Führungskraft.
Suche dir Verbündete – wem geht es ähnlich wie dir?
Überlege dir im Vorfeld, wie du freundlich reagieren kannst.
Deine Reaktion für die Beispiele oben:
„Wenn meine Augen entspannter sind, kann ich produktiver sein, es lohnt sich dafür, den Augen kleine Pausen zu gönnen.“
„Ja, das kann ich verstehen. Mir geht es so, dass ich mir kleine Pausen helfen, besser mit der Arbeitsvielfalt umzugehen – mit weniger Stress.“
„Es sieht einfach aus – schön! Es ist ein Prozess, sich kleine Pausen für eine gute Konzentration zu erlauben. Ohne sie würden mir eher Fehler passieren, das will ich natürlich nicht.“
Kommuniziere, lass dich nicht irritieren. Mache weiter mit dem, was du dir vorgenommen hast. Es ist ein Lernprozess für beide Seiten – für dich und dein Umfeld. Erkläre, aber ohne Rechtfertigung oder schlechtes Gewissen.
Es kann sein, dass es sich erstmal komisch und sehr ungewohnt anfühlt.
3. Dein klarer Plan
Denke einmal Schritt für Schritt durch, was du konkret verändern willst. Selbst wenn es im Alltag doch anders sein wird – du findest so leichter eine Alternative. Ohne Plan gerätst du eher wieder in das alte Muster und bist frustriert – oder gibst vorschnell auf.
So kann ein Plan aussehen – der Zeitpunkt
‚Ich möchte regelmäßig – auf jeden Fall einmal am Vor- und einmal am Nachmittag eine Pause von mindestens 5 Minuten machen. Für die Augen und für ein klares Denken. Vor allem möchte ich die Abende möglichst ohne Kopfschmerzen erleben!‘
Das verändere ich ganz konkret:
‚Um an meine Pausen zu denken, habe ich zwei Ideen: Zum einen habe ich mit der Kollegin vereinbart, dass wir uns gegenseitig erinnern.‘
‚Ausserdem habe ich mir überlegt, dass es eine gute Verknüpfung ist, wenn ich mir so wie immer am Vormittag einen Kaffee hole.
Dort – in der Teeküche, werde ich zuerst einmal meine Schultern lockern, oder den Nacken. Danach mache ich eine Runde Augenyoga oder eine andere Bewegung. Das belebt meine Augen und sie sind dann richtig fit.Danach schaue ich noch entspannt für ein oder zwei Minuten aus dem Fenster.
Wenn wir ein Meeting haben, werde ich danach einige Nackenlockerungen machen, weil ich mich danach oft so angespannt fühle. Nach der Mittagspause gibt es direkt eine Klopfmassage für die Augen, damit ich fit in den Nachmittag starte.’
‚Am Nachmittag fällt es mir oft schwer, mich gut zu konzentrieren. Ich werde meine Tätigkeiten so planen, dass ichzu Feierabend auf jeden Fall einiges abgeschlossen habe. So kann ich zufrieden nach Hause gehen.‘
Und was ist, wenn es doch wieder schief läuft?
‚Oft wird es hektisch, dann fange ich mehrere Dinge gleichzeitig an. Mit der Zeit werde ich fahrig und bin unkonzentriert.
An solchen Tagen habe ich am Abend häufiger Kopfschmerzen – das nervt und ich kann nicht das tun, was ich mir vorgenommen habe.‘
Der Plan:
‚Wenn ich merke, dass ich mehrere Dinge anfange und unkonzentriert bin, dann ist das mein Hinweis, um einige Male tief durchzuatmen. Danach werde ich eine Sache nach der anderen erledigen.‘
Das sind Beispiele, wie ein konkreter Plan aussehen kann.
Schreibe ihn auf, es reicht nicht, ihn im Kopf zu behalten .
So siehst du die Situationen vor dir und es wird wesentlich leichter sein, anders als bisher zu agieren.
4. Reflektiere regelmäßig und wohlwollend
Der größte Kritiker sind wir oft selbst. Etwas hat nicht so geklappt wie erhofft? Na, dann wird es wohl auch in Zukunft nichts werden!
Dabei ist es ganz normal, immer mal wieder in alte Gewohnheiten zurückzufallen. Gerade wenn es stressig wird oder etwas anders läuft als sonst. Gunter Schmidt nennt es ‚Ehrenrunden im alten Verhalten‘. Niemand ist perfekt – wir sind alle Lernende.
Auch ich kenne die ‚Ehrenrunden‘. Wenn etwas Unvorhergesehenes passiert oder immer wieder etwas dazwischenkommt.
Deswegen ist es sehr hilfreich, danach zu schauen, was schon gelungen ist:
Mach es dir zur Gewohnheit, einmal pro Woche zurückzublicken.
Wie war dein Verhalten vor einer Woche?
Wie war es vor einem Monat?
Was ist wann gut gelungen?
Wer kann dich unterstützen?
Wie könntest du es dir leichter machen?
Schau wohlwollend auch auf kleine Schritte und freue dich darüber. Sei stolz auf dich!
Und ganz entscheidend: Erkenne an, wie weit du schon gekommen bist – auch wenn das Idealziel noch nicht erreicht ist. Auch wenn du noch nicht jeden Tag Pausen machst. Oder was du auch immer verändern möchtest. Du bist auf dem Weg – und manchmal kann es hilfreich sein, das Ziel etwas abzuspecken.
Veränderung braucht Zeit. Das übersehen wir in der Schnelllebigkeit des Alltag oft.
Schreib mir gerne, wie es dir geht – ich bin neugierig auf deine Erfahrungen!
Und falls du merkst, dass du dir dabei Begleitung wünschst: Genau dafür ist mein Coaching da.
Nicht weil du es alleine nicht schaffst – sondern weil es mit jemandem an deiner Seite einfach leichter geht.
Du weißt, was du ändern willst – und tust es trotzdem nicht? In diesem Artikel schauen wir uns an, warum das so ist und was wirklich hilft.
Hürde 1 – Im Alltag daran denken
Hürde 2 – Die Reaktion des Umfelds
Hürde 3 – Kein klarer Plan
Hürde 4 – Zu viel auf einmal
Denn oft werden die Hürden übersehen – das kann sich ab jetzt ändern!
Lesezeit ca. 8 Minuten – mit konkreten Fragen zur Reflexion
Wenn du etwas verändern möchtest, hast du dir bestimmt schon viele Gedanken dazu gemacht. Vielleicht hast du bereits im Internet recherchiert, an einem Onlinekurs teilgenommen oder sogar ein Buch dazu gelesen.
Kommt dir das bekannt vor?
Dann bist du damit nicht allein – und es liegt nicht an dir, sondern daran, dass echte Veränderung mehr braucht als den Impuls.
Das Bewusstsein ist ja oft da: Gewohnheiten, die sich negativ auf die Arbeitsleistung auswirken oder die gesundheitsschädlich sind. Zu wenig Bewegung und eine ungesunde Ernährung – das sind die Klassiker. Bei der Arbeit kommen viele Unterbrechungen, Ablenkungen und Meetings dazu, die mal mehr oder weniger produktiv sind. Das führt zu Frust, Überforderung und reduziert deine Leistungsfähigkeit.
Viele meiner Seminarteilnehmer haben den Wunsch, hier etwas zu verändern:
weniger Stress und Anspannung
mehr Zeit für sich
endlich mal ‚Nein‘ zu sagen, um sich abzugrenzen
Wenn du das oder etwas ganz anderes verändern möchtest, brauchst du Wissen über Veränderung, damit sie gelingen kann.
Wer sich für eine Veränderung entscheidet, bringt schon eine Menge Motivation mit – sonst würde er oder sie diesen Schritt gar nicht erst gehen.
Was nervt dich – und was willst du endlich ändern?
Als erstes lohnt sich ehrlicher Blick auf die eigene Situation. Mach doch mal eine Bestandsaufnahme – wohin soll es gehen?
Was wolltest du schon längst ändern – weil es dich viel Energie kostet?
Was an deinem Verhalten nervt dich – etwa wenn du Nein sagen wolltest und dich wieder beim Ja ertappst?
Was hast du schon alles versucht oder angefangen – und dann doch wieder aufgegeben? Was ist da passiert?
Welche Gewohnheit nervt dich am allermeisten?
Gewohnheiten zu verändern ist nicht einfach – aber möglich. Es ist ein Prozess!
Das heißt, es geht nicht von heute auf morgen. Die meisten Menschen starten motiviert und scheitern an Hürden. Vielleicht nicht an der ersten, aber oft an der zweiten oder dritten.
Abgesehen davon kommt es darauf an, wie lange du diese Gewohnheit schon hast.
Frage dich, ob sie dir einen Vorteil bringt oder ob sie bequem ist oder – das ist häufig der Fall – mit einem guten Gefühl verbunden ist.
Denn das Gehirn belohnt Bekanntes mit einer Dopaminausschüttung. Etwa bei neuen Reizen (das Scrollen durch SocialMedia) oder mit den leckeren Gummibärchen oder der Chipstüte auf dem Sofa. Es kann auch mit dem guten Gefühl verbunden sein, gebraucht zu werden – anstatt sich abzugrenzen.
Gewohnheiten sind wie eine breite Autobahn im Gehirn. Mit dem Vorsatz „ab morgen mache ich es anders“ wird es selten funktionieren. Denn auf der Autobahn bist du so schnell wieder im alten Muster unterwegs, dass du es erst im Nachhinein merkst.
Motivation allein reicht nicht – du brauchst eine Strategie
Was viele unterschätzen:
Du brauchst die Motivation, um überhaupt anzufangen. Danach hilft dir eine Strategie. Viele Menschen denken, es reicht, motiviert zu sein, um eine Veränderung zu bewirken. Das höre ich ganz oft in meinen Seminaren und im Coaching. Wenn die Motivation nachlässt, sind viele ratlos. Vor allem merken sie schnell, dass es allein mit der Motivation nicht getan ist – weil so viele Dinge im Alltag ganz automatisch und ohne bewusstes Nachdenken passieren.
Es ist wichtig, die Motivation aufrecht zu erhalten, keine Frage. Doch das reicht nicht.
Schauen wir zuerst auf die Notwendigkeit der Veränderung. Nimm dazu eine Skala von 0–10: Wie wichtig ist dir die Veränderung wirklich? Liegt der Wille zur Veränderung bei 3, ist die Motivation gering – es ist eher ein „Nice to have“. Liegt er bei 7 oder 8 oder noch höher, hast du eine sehr gute Startposition! Jetzt brauchst du nur noch zu wissen: Wie mache ich es am besten?
Oft wird Scheitern auf mangelnde Motivation geschoben. Ich glaube nicht, dass es nur daran hapert – denn diese ist ja oft da! Was nicht bedacht wird, sind die Hürden, die im Laufe eines Veränderungsprozesses immer wieder auftauchen. Wenn du dir vorher keine Gedanken darüber gemacht hast, was auf dem Weg alles passieren kann, ist es vollkommen verständlich, dass eine Veränderung nicht greift.
Es liegt nicht an dir – es liegt am Wissen über Veränderung!
Welche Hürden sind das konkret? Lass sie uns anschauen – eine nach der anderen.
Ich nutze dazu ein Beispiel aus meinem Seminar für fitte und wache Augen, wo es darum geht, Sehstress zu reduzieren und Augenpausen in den Alltag zu integrieren. Es sind Erfahrungen von Teilnehmern, die ich immer wieder gehört habe. Mit ein Grund, warum ich mich intensiv mit der Veränderungsumsetzung befasse. Ich bin mir sicher, dass du dich an der ein oder anderen Stelle in deinem Veränderungsverhalten wieder erkennen kannst!
Hürde 1: Im Alltag dran denken
Die erste und häufigste Hürde ist schlicht: Du vergisst, was du anders machen wolltest. Der Alltag läuft weiter, alte Muster greifen automatisch – und das neue Verhalten kommt einem erst gar nicht in den Sinn.
Als Beispiel nehme ich hier das Augentraining. Eine Teilnehmerin, die sehr trockene und müde Augen hatte, wollte auf jeden Fall regelmäßig eine wohltuende Pause, wie im Seminar kennengelernt, in den Arbeitsalltag einbauen. Aber sie hat es einfach vergessen und sich über sich selbst geärgert.
So ist es oft: Schwuppdiwupp entdeckst du dich wieder im alten Fahrwasser – nicht weil du es nicht wolltest, sondern weil dein Gehirn die energiesparende Abkürzung nimmt, anstatt etwas anders zu machen als üblich. Das ist normal. Doch es gibt eine Chance, das zu verändern: Du brauchst einen Anker, eine Abruferinnerung.
Was hilft: Anker und regelmäßige Impulse
Konkret kann das so aussehen: Du nutzt eine Routine, etwas, was du üblicherweise im Alltag tust und verknüpfst die mit dem Neuen: „Nach der Mittagspause mache ich zwei Minuten Augenentspannung“. Der Trick ist, das neue Verhalten so eng wie möglich mit einem bereits vorhandenen Auslöser zu verknüpfen.
Oder du legst dir eine sichtbare Erinnerung zurecht – eine Notiz am Bildschirm oder du nutzt die Terminerinnerung über Outlook, der dich an die Pause erinnert.
Dazu habe ich die Transferbegleitung für meine Seminare entwickelt: Um die Umsetzung im Alltag zu erleichtern, erhalten Teilnehmerinnen und Teilnehmer zweimal pro Woche eine Mail über eine Lernplattform mit einem konkreten Impuls –
zur Augenentspannung
zur Augenbeweglichkeit
oder zur Reflexion
Dazu kommen Anregungen zur Umsetzung und die Möglichkeit, über die eigenen Erfahrungen zu berichten. Viele sagen mir: „Ohne diese Mails hätte ich es nicht geschafft, das in meinen Alltag zu integrieren.“
Zusätzlich hilft es, sich einen Lern- oder Umsetzungspartner zu suchen – idealerweise jemanden aus demselben Seminar, mit ähnlichem Ziel. Oder einen Kollegen oder jemand anderes, der auch etwas verändern will. In meinen Seminaren höre ich bei diesem Vorschlag immer wieder: „Ach, das wird schon klappen! Ich hab’s ja fest vor!“ Doch der Alltag zeigt, dass es eben nicht so leicht gelingt.
Hürde 2: Die Reaktion deines Umfelds
Die zweite Hürde kommt von außen – und wird häufig völlig unterschätzt. Denn oft planen wir die Reaktion unseres Umfelds nicht in die Veränderung mit ein.
Ein Beispiel: Du warst in einem Seminar und hast gelernt, wie du deine Augen entspannst. Du hattest hohen Leidensdruck, weil du abends so oft Kopfschmerzen hattest. Im Seminar hast du erlebt, wie leicht es ist, die Augen zu entspannen.
Jetzt sitzt du am Schreibtisch, merkst, dass deine Augen ermüden – das ist schon mal super! Denn normalerweise würdest du es erst am Abend merken. Du beginnst mit einer Klopfmassage, und die Kolleginnen sehen das: „Was machst du denn da? Kommt das aus dem Seminar? Sieht schon bisschen merkwürdig aus, was du da machst – findest du nicht?“
Hand aufs Herz: Wie würdest du reagieren? Machst du einfach weiter – oder lässt du es bleiben?
Dasselbe gilt zu Hause: Der Partner oder die Familie ist vielleicht irritiert oder ablehnend, wenn bestimmte Routinen sich plötzlich verändern. Das gilt besonders dann, wenn du beschlossen hast, dich etwa besser abzugrenzen und mal ‚Nein’ zu sagen. Da spielen viele eingefahrene Muster eine große, nicht zu unterschätzende Rolle.
Was hilft: Das Umfeld strategisch einbeziehen
Die Teilnehmerin aus meinem Beispiel weiß aus Erfahrung, dass ihre Kolleginnen am Anfang skeptisch sind. Aber sie weiß auch, dass diese ebenso oft über müde oder trockene Augen klagen. Deshalb passt sie ihre Strategie an:
Im nächsten Teammeeting berichtet sie vom Seminar und zeigt gleich zwei Übungen, die sich leicht einsetzen lassen und gleich eine Wirkung haben. Der Vorteil: die Führungskraft wird mit ins Boot geholt – mit dem klaren Argument: „Ich tue etwas, um meine Leistungsfähigkeit zu erhalten. Pausen sind dafür notwendig!“ Am nächsten Tag fängt sie für sich an, die Übung zu machen. Die Kolleginnen schauen – und sie sagt: „Mach doch mal mit!“ Die Kolleginnen steigen nach kurzem Zögern ein. Manchmal entwickelt sich daraus eine Teamroutine – unsere 5 Minuten aktive Pause am Vormittag!
Die entscheidende Lektion: Wer sein Umfeld kennt und es rechtzeitig einbezieht, räumt eine der größten unsichtbaren Hürden aus dem Weg – bevor sie überhaupt auftaucht. Das ist kein Trick, sondern schlicht gute Vorbereitung.
Hürde 3: Kein klarer Plan
Stell dir vor, du möchtest eine Wanderung machen – auf einer Strecke, die du noch nicht kennst. Das Ziel ist ambitioniert, du wirst eine ganze Weile unterwegs sein. Würdest du einfach losgehen und dir sagen „Es wird schon werden“?
Kaum. Du nimmst Proviant mit, hast eine geeignete Ausrüstung, erkundigst dich nach dem Wetter. Du weißt, dass diese Wanderung mehrere Etappen haben wird, planst Pausen ein und blickst dabei auf die bereits zurückgelegte Strecke zurück. Und du weißt im Vorfeld, dass manche Stellen anspruchsvoller sein werden – und hast dir Gedanken darüber gemacht, wie du damit umgehen wirst.
So ist es auch bei Veränderungen. Du brauchst zumindest Vermutungen darüber, welche Hürden und Hindernisse auftauchen können. Du kennst dich ja – du weißt, wann du verzagst oder wann deine Motivation nachlässt. Das kannst du alles berücksichtigen, damit deine Veränderung gelingt!
Was hilft: Beantworte diese drei Fragen – schriftlich!
Beantworte dir diese Fragen – denn nur schriftlich wird es wirklich greifbar. Denn so denkst du in einem anderen Tempo und du berücksichtigst mehr, als wenn du nur darüber nachdenkst.
Was will ich mit großer Motivation (du erinnerst dich – auf der Skala über 7) verändern? Beschreibe es ganz konkret in deinen Worten.
Wie sieht diese Veränderung ganz konkret aus? Was machst du anders als bisher?
Wann – und in welchen Situationen wirst du es umsetzen?
Ein guter Plan beinhaltet außerdem die Frage: Auf welche Warnsignale sollte ich achten, um nicht in den Automatismus des ‚so-wie-immer’ zurückzufallen?
Also die Gedanken, körperlichen Empfindungen oder genau die Situationen, die dich dazu bringen, in das alte Muster wieder aufleben zu lassen – oft ohne dass du es bewusst merkst. Im Abschnitt weiter unten findest du dazu konkrete Beispiele.
Das kann sein, wenn du sowieso angespannt oder gestresst bist. Oder wenn du es eilig hast. Das Verrückte ist ja, gerade an Tagen, an denen viel los ist, wären kleine Pausen so hilfreich – gerade dann werden sie ausgeblendet oder vergessen!
Hürde 4: Zu viel auf einmal wollen
Eine der häufigsten Fallen: Man nimmt sich zu viel vor. Mehrere Gewohnheiten gleichzeitig, zu große Schritte, zu hohe Erwartungen an sich selbst.
Bleib bei einer Verhaltensänderung oder einer Gewohnheit. Nicht zwei, nicht drei – eine. Und: Veränderung braucht Zeit. Es ist kein Spaziergang, es ist eine Wanderung! Im Gehirn müssen neue Wege angelegt werden – neue synaptische Verbindungen. Bis die gut ausgebaut und sicher begehbar sind, vergehen realistischerweise 2–3 Monate. Alles andere ist schlichtweg unrealistisch.
Oft starten wir sehr optimistisch – und dann holt uns die Realität ein. Die erste Hürde, der erste Frust, dass es nicht gelingt. Das ist normal. Kein Grund, sich darüber zu ärgern. Du bist in der Realität angekommen, und das ist ein entscheidender Schritt. Wichtig ist, anzuerkennen, dass du Stück für Stück vorankommst.
Was hilft: Selbstwirksamkeit stärken – du hast das schon einmal geschafft
Ein Beispiel aus meinen ‚Leichter Lernen-Seminar‘, da stelle ich zu Beginn drei Fragen – eine davon lautet: „Wo ist es dir schon einmal gut gelungen, etwas zu lernen, obwohl du dir vorher unsicher warst oder gezweifelt hast?“
Viele Teilnehmende tun sich schwer, diese Frage zu beantworten. Und doch steckt hier ein großes Potenzial: Das Wissen um eine bereits gemachte Erfahrung stärkt deine Selbstwirksamkeit. Du hattest dieses Potenzial schon einmal – und du kannst es wieder aktivieren.
Und noch etwas: Wenn es mal nicht klappt – wenn du einen Tag oder eine Woche zurückfällst – ist das kein Zeichen von Schwäche oder mangelnder Disziplin. Es ist ein ganz normaler Teil des Prozesses. Viele Menschen hören genau an dieser Stelle auf, weil sie sich schämen oder das Gefühl haben, von vorne anfangen zu müssen.
Das ist nicht nötig. Du fängst eben nicht von null an – du atmest tief durch machst weiter.
Du kennst jetzt die Hürden. Im Coaching arbeiten wir gemeinsam daran, sie für deine konkrete Situation aus dem Weg zu räumen.
Kennst du das Gefühl, abends erschöpft zu sein – obwohl du doch den ganzen Tag nur gesessen und auf einen Bildschirm geschaut hast?
Erschöpfung verbinden wir meist mit körperlicher Anstrengung, aber durch vieles Sitzen? Das klingt doch ziemlich unlogisch!
Es liegt mit an der angespannten Haltung in Verbindung mit dem konzentrierten Sehen, ohne Bewegung – das ist richtig anstrengend.
Hinzu kommt, daß oft ohne Unterbrechung gearbeitet wird. Selbst das Essen findet direkt am Bildschirm statt, erzählen mir Teilnehmer immer wieder.
Die Anspannung von Augen, Kopf und Körper
Das ist noch gar nicht alles. Neben müden oder brennenden Augen bemerkst du vielleicht auch eine diffuse innere Unruhe und eine mentale Erschöpfung, die sich spätestens am Nachmittag einstellt.
Ursache ist neben der äusseren Anspannung die innere – in Form der Aufmerksamkeit.
Am Abend sind es nicht nur die Augen, sondern auch der Kopf, der sich angespannt anfühlt – da ist nach Feierabend die Energie erst einmal im Keller.
Für viele Menschen ist das einfach so. Nicht angenehm, nicht gewollt, sondern Alltag.
Eine Ursache besteht darin – und da kannst du was tun – dass deine Augen und deine Aufmerksamkeit zu wenig Abwechslung und zu wenig echte Pausen bekommen haben.
Viele Pausen sind gar keine echten Pausen
Denn mal kurz aufs Smartphone schauen, eine Nachricht schreiben, durch den Feed scrollen – das fühlt sich doch nach Pause an!Für deine Augen und deine Aufmerksamkeit ist es aber oft nur eine Fortsetzung der Bildschirmzeit.
Eine echte Pause bedeutet: etwas ganz anderes tun als das, was du die ganze Zeit gemacht hast.
Selbst Mikropausen von 30 bis 60 Sekunden können dabei schon etwas verändern.
Es kommt auf die Art der Pause an!
Zum Beispiel den Blick bewusst vom Bildschirm lösen, nicht nur für 3 Sekunden!
Sondern am besten mit einem Aufstehen verbinden, die Augen wirklich vom Bildschirm weg in die Ferne richten – und das für mehrere ruhige Atemzüge.
Oder die Schultern kreisen, den Nacken lockern, indem du den Kopf von rechts nach links und wieder zurück bewegst.
Pausen weg von allen Bildschirmen, auch wenn sie nur wenige Minuten dauern, verändern die innere Anspannung spürbar. Auf Dauer bringen solche Kleinigkeiten richtig viel.
In meinem Seminar Augenfitness für Bildschirmarbeitende geht es genau darum: zu verstehen, was Augen im Arbeitsalltag belastet – und wie kleine, alltagstaugliche Übungen wieder mehr Entspannung und Klarheit bringen. Wenn du deine Augen gezielt unterstützen möchtest, findest du hier weitere Informationen: Augenfitness mit Transferbegleitung
Bei dieser Gelegenheit kann ich dir einen Einblick in die Transferbegleitung geben!
Ausblick: Warum kleine Schritte oft nachhaltiger wirken
Viele Veränderungen im Arbeitsalltag scheitern nicht daran, dass wir nicht wissen, was hilfreich wäre. Sondern daran, dass gute Impulse im Alltag schnell wieder verloren gehen.
Auch beim Thema Augen, Konzentration oder Pausen zeigt sich das immer wieder: Ein einzelner Workshop oder ein guter Vorsatz reicht selten aus, wenn der Arbeitsalltag so wie immer weiterläuft.
Was langfristig einen Unterschied macht, sind kleine, regelmäßige Impulse, die sich über längere Zeit in den Alltag integrieren lassen.
Genau damit arbeite ich seit vielen Jahren in Form einer Transferbegleitung – heute würde man oft von Mikrolearning sprechen: kurze, alltagstaugliche Lern- und Erinnerungsimpulse, die helfen, neue Gewohnheiten Schritt für Schritt zu verankern.
Im nächsten Artikel geht es darum, warum dieses Lernen in kleinen Einheiten oft nachhaltiger wirkt als große Veränderungen auf einmal – und weshalb Mikrolearning gerade im Arbeitsalltag so gut funktioniert. Das bestätigen die Teilnehmerstimmen.
https://margit-reinhardt.de/wp-content/uploads/2026/03/die_Art_Der_Pause.jpg12002347Margit ReinhardtMargit Reinhardt2026-03-02 09:17:572026-08-25 10:42:56Bildschirmarbeit erschöpft oft mehr als gedacht
Digitale Weiterbildung und KI versprechen viel – aber was bedeutet das wirklich für unser Lernen? Margit Reinhardt teilt ihre Gedanken von der LEARNtec xChange und fragt, wo KI uns stärkt und wo sie uns schwächen könnte.
01 Lernen bleibt eine aktive Eigenleistung 02 KI als Werkzeug – nicht als Ersatz 03 Die Illusion von Kompetenz 04 Denkfaulheit als unterschätztes Risiko 05 Warum gemeinsames Lernen unverzichtbar bleibt
Lesezeit: ca. 4 Minuten
Wo nutzt du KI bereits beim Lernen – und wo möchtest du bewusst selbst aktiv bleiben?
Zwei Vorträge möchte ich besonders hervorheben – weil sie mich zum Nachdenken gebracht haben.
Hier meine wichtigsten Erkenntnisse:
Lernen bleibt aktiv – auch mit KI
Prof. Dr. Barbara Geyer brachte es mit einem treffenden Vergleich auf den Punkt: Früher hat man sich auch nicht einfach in eine Bibliothek gesetzt und wusste danach automatisch alles.
Lernen war und bleibt eine aktive Leistung des Lernenden – es ist anstrengend, erfordert Eigeninitiative und lässt sich nicht delegieren.
Künstliche Intelligenz kann uns dabei hervorragend unterstützen: beim Recherchieren, beim Erstellen von Zusammenfassungen, beim Generieren von Übungen oder mit Tests.
Oder dabei, sich einen Inhalt verständlich erklären zu lassen, um einen ersten Schritt zum Verständnis zu erhalten.
Aber sie nimmt uns das Lernen nicht ab.
Im Gegenteil: Die Gefahr besteht, dass KI uns denkfaul macht, wenn wir zu viel an sie auslagern.
Was mir besonders wichtig erscheint: Der Mensch als soziales Wesen braucht Kontakt, Gespräche.
In meinen Seminaren erlebe ich immer wieder, wie wertvoll der Austausch untereinander ist. Zu erkennen, dass man mit seinen Problemen und Unsicherheiten nicht allein ist – das motiviert. Gemeinsam zu lernen und dabei zu sehen, wie unterschiedlich andere an Themen herangehen, erweitert den eigenen Lernhorizont.
Einen Sachverhalt durchdenken und verstehen, das ist die Leistung des Lernenden.
KI kann die Lücken im Verstehen entdecken und Fortschritte messen. Auch das ist für den Lernerfolg unterstützend.
Geyers Fazit: Künstliche Intelligenz kann Materialien, Lernspiele, Tests erstellen und Feedback geben.
‚Lernen selbst bleibt menschlich‘
Entscheidend wird die persönliche (Lern-)Begleitung – das Eingehen auf den individuellen Kenntnisstand, auf konkrete Hindernisse und die Frage: Wie bleibe ich am Ball?
Lernen unter Unsicherheit
Prof. Dr. Anja Schmitz ergänzte diese Perspektive um einen wichtigen Aspekt: die Komplexität unserer Zeit.
Viele Veränderungen, Krisen und Unsicherheit führen bei Lernenden zu zwei gegensätzlichen Reaktionen:
Einerseits die Motivation, dranbleiben zu wollen. Sich nicht abgehängt zu fühlen.
Andererseits die Überforderung angesichts der Geschwindigkeit der Veränderungen.
Was heute noch klar scheint, ist morgen schon überholt. Diese Widersprüchlichkeit verlangt von Lernenden deutlich mehr Selbstregulation:
Wie motiviere ich mich immer wieder neu?
Wie integriere ich Neues?
Und wie lasse ich Veraltetes auch wieder los?
Dynamikrobustheit
Ein Begriff brachte das alles sehr auf den Punkt: Dynamikrobustheit.
Anja Schmitz bezeichnet es als die Fähigkeit, in all dem Wandel mit ‚widersprüchlichen Anforderungen handlungs-, lernfähig und gesund zu bleiben.‘
Resilienz bedeutet für mich, eben diese Spannungen immer wieder neu auszubalancieren und die Motivation zu behalten und sie immer wieder neu zu aktivieren.
Schmitz brachte dazu ein einprägsames Beispiel: Navigationssysteme.
Wir alle nutzen sie – im Auto, zu Fuß, überall. Aber wer von uns kann noch eine Karte lesen? Oder sich nach dem Sonnenstand orientieren? Diese Fähigkeiten schwinden, weil wir sie nicht mehr nutzen. Bequemlichkeit hat ihren Preis.
Gleichzeitig kann KI durch ihre Effizienz auch positiv wirken:
Wenn ich nicht mehr unzählige Präsentationen durcharbeiten muss, sondern eine präzise Zusammenfassung bekomme, kann das die Behaltensleistung – weil die Inhalte überschaubar sind – sogar verbessern.
Mein Fazit
Was bleibt mir im Kopf? Die Frage nach dem richtigen Maß.
KI ist ein mächtiges Werkzeug – aber was wir vollständig an sie auslagern, werden wir selbst langfristig nicht mehr beherrschen.
Ein Gedankenspiel: Wenn ich bald Gespräche aufzeichne, sie von KI zusammenfassen lasse und diese Zusammenfassung dann anderen vorlese – lohnt es sich dann überhaupt noch, beim Gespräch dabei zu sein? Das klingt absurd. Aber ist es wirklich so weit von unserer Realität entfernt?
Das geht mir in diesem Zusammenhang durch den Kopf: Ist die KI in der Lage, Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten zu erzeugen?
Oder besteht dabei die Gefahr einer Illusion von Kompetenz –
Ich glaube, vieles zu können, weil KI es für mich erledigt – kann aber die Ergebnisse selbst nicht mehr einschätzen oder nachvollziehen.
Meine Erkenntnis:
KI sollte uns befähigen, nicht ersetzen.
Die Herausforderung liegt darin, bewusst zu entscheiden, wo uns KI unterstützt – und wo wir selbst aktiv bleiben müssen und vor allem wollen, um kompetent und urteilsfähig zu bleiben.
Was für mich zum Lernen dazugehört:
Lerntechniken, ja klar.
Aber das ist nur ein kleiner Teil.
Wie gehst du mit dir um, wenn Hindernisse auftauchen?
Wenn du gefühlt nicht weiterkommst, wie motivierst du dich dann?
Wenn du haderst und an deinen Fähigkeiten zweifelst?
Selbstwirksamkeit ist für mich die Basis, um gut lernen zu können.
Um mit Veränderungen und allem, was dazugehört, gut klarzukommen.
Wenn du dir überlegst, ob ein Coaching oder ein Workshop für dein Team etwas ist,